Der geplante Bau einer neuen Grundschule im Segelflieger-Quartier in Berlin-Johannisthal ist überraschend gestrichen worden. Das bestätigte das Bezirksamt Treptow-Köpenick am Montag. Das Vorhaben am Standort Gerhard-Sedlmayr-Straße sollte eigentlich die wachsende Schülerzahl im Südosten der Hauptstadt auffangen.
Wohnungsbau hat Vorrang
Als Grund für die Absage nennt die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Claudia Engel (Grüne), eine veränderte Prioritätensetzung: „Das Grundstück wird nun für dringend benötigten Wohnungsbau genutzt. Die Schule weicht einem neuen Wohnquartier mit rund 200 Wohneinheiten, davon ein Drittel gefördert.“ Die Entscheidung sei nach Abwägung aller Faktoren gefallen. „Wir stehen vor der Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das hat aktuell Vorrang.“
Schulplatzsituation bleibt angespannt
Die Streichung des Schulbaus sorgt für Unmut bei Eltern und Bildungspolitikern. Der Bezirk verzeichnet seit Jahren steigende Schülerzahlen. Laut aktueller Prognose fehlen in Treptow-Köpenick bis 2028 rund 1.200 Grundschulplätze. Die geplante Schule hätte Platz für 432 Kinder bieten sollen. „Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht aller Eltern, die auf einen Schulplatz in der Nähe hoffen“, sagt Elke Müller, Vorsitzende des Schulausschusses der Bezirksverordnetenversammlung. „Wir brauchen beides: Wohnungen und Schulen.“
Alternativen in Prüfung
Das Bezirksamt verweist auf Prüfungen für Ausweichstandorte. „Wir arbeiten an einer Lösung, um die Schulplatzlücke zu schließen“, so Engel. Konkrete Angaben machte sie nicht. Die Bauarbeiten für das Segelflieger-Quartier mit insgesamt 1.200 Wohnungen sollen wie geplant 2027 beginnen.



