Berlin – Frank-Walter Steinmeier, der Bundespräsident, wird sein neues Übergangsquartier erst am Freitag dieser Woche beziehen. Schon jetzt können Interessierte einen Blick auf die Räumlichkeiten werfen, die als temporäre Bleibe dienen, während das Schloss Bellevue renoviert wird. Wer jedoch Kronleuchter oder prächtige Freitreppen erwartet, wird enttäuscht: Das Gebäude ist ein modernes Bürohaus, das eher an ein durchschnittliches Verwaltungsgebäude erinnert als an eine repräsentative Residenz.
Ein schlichter Arbeitsplatz für den Bundespräsidenten
Das neue Domizil von Steinmeier befindet sich in einem Neubau im Berliner Regierungsviertel. Anders als das historische Schloss Bellevue, das mit seinen prunkvollen Sälen und Parkanlagen beeindruckt, bietet das Übergangsquartier funktionale Architektur. Statt eines großen Festsaals gibt es einen Aufzug, der den Präsidenten in sein Büro bringt. Die Frage, ob dies angemessen sei, stellt sich angesichts der schlichten Ausstattung. Ein Saal in Blau mit einer geodätischen Akustikdecke dient als Raum für Staatsbankette – ein Zugeständnis an die Repräsentationspflichten, aber ohne den Glanz des Originals.
„Es ist ein pragmatischer Umzug“, erklärte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. „Das Gebäude wurde speziell für die Übergangszeit konzipiert und erfüllt alle funktionalen Anforderungen.“ Der Umzug ist notwendig, da das Schloss Bellevue ab dem 1. August 2026 für umfangreiche Sanierungsarbeiten geschlossen wird. Die Renovierung soll mehrere Jahre dauern, sodass Steinmeier und seine Nachfolger voraussichtlich bis 2029 in dem Provisorium arbeiten werden.
Kontrast zum historischen Schloss Bellevue
Das Schloss Bellevue, seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten, ist ein klassizistisches Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert. Es verfügt über 54 Räume, darunter den Großen Saal mit Kronleuchtern und Stuckdecken. Im Gegensatz dazu bietet das Übergangsquartier auf vier Etagen rund 2.500 Quadratmeter Nutzfläche – verteilt auf Büros, Besprechungszimmer und einen kleinen Empfangsbereich. Die Kosten für den Umbau des Gebäudes beliefen sich laut Angaben des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung auf rund 15 Millionen Euro.
„Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in einem historischen Schloss oder in einem modernen Bürogebäude arbeitet“, sagte ein Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes anonym. „Aber die Funktionalität steht im Vordergrund. Der Bundespräsident kann seine Aufgaben auch hier vollumfänglich erfüllen.“ Kritiker bemängeln jedoch, dass die schlichte Umgebung der Würde des Amtes nicht gerecht werde. „Ein Bundespräsident repräsentiert das Land“, so eine Stimme aus der Politik. „Da sollte auch die Arbeitsumgebung entsprechend sein.“
Einrichtung und Details
Die Einrichtung des Übergangsquartiers ist bewusst schlicht gehalten. Statt antiker Möbel gibt es moderne Designerstücke. Der blaue Saal, der für Staatsbankette genutzt wird, ist mit einer Akustikdecke ausgestattet, die für eine optimale Klangqualität sorgt. Die Wände sind in einem kräftigen Blau gehalten, das an die Farbgebung des Schlosses erinnern soll. Ein Kronleuchter fehlt jedoch – stattdessen sorgt indirekte Beleuchtung für eine angenehme Atmosphäre.
Der Umzug selbst erfolgt in mehreren Phasen. Zuerst werden die Büros des Präsidenten und seiner engsten Mitarbeiter eingerichtet, später folgen die übrigen Abteilungen. Die genauen Kosten für den Umzug sind nicht bekannt, aber Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Euro aus. Der Bundespräsident selbst äußerte sich bislang nicht zu dem neuen Quartier. Sein Terminkalender ist für die kommenden Wochen vollgepackt mit Terminen im In- und Ausland.
Insgesamt zeigt der Umzug, dass auch das höchste Staatsamt nicht vor pragmatischen Lösungen gefeit ist. Ob das Übergangsquartier den Ansprüchen gerecht wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



