2400 Jahre altes Kindergrab in Gallien: Krieger oder Opfer?
2400 Jahre altes Kindergrab in Gallien: Rätsel um Krieger oder Opfer

Archäologen des französischen Nationalinstituts für präventive archäologische Forschung (Inrap) haben bei Ausgrabungen im Département Loiret ein rätselhaftes Kindergrab aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. freigelegt. Die Bestattung enthielt neben den Überresten eines vermutlich unter 15-jährigen Kindes ein eisernes Schwert in der Scheide, Fragmente eines Schildes und eine Fibel. Die Waffe lag gezielt zwischen den Beinen des Kindes – eine ungewöhnliche Platzierung, die bislang keine eindeutige Erklärung findet.

Außergewöhnliche Bestattungen in Pithiviers

Die Grabungen in der Gemeinde Pithiviers förderten mehrere außergewöhnliche Bestattungen zutage. Insgesamt wurden vier voneinander getrennte Grabgruben mit den sterblichen Überresten von sechs Personen entdeckt, wie das Fachportal „Heritage Daily“ berichtet. Auffällig sind die ungewöhnlichen Körperlagen: In einer Mehrfachbestattung mit drei Individuen lagen zwei Personen in Bauchlage. Ein weiteres Grab enthielt die Überreste eines Mannes, dessen Hände und Füße offenbar zusammengebunden waren. Zudem war sein Schädel vom übrigen Skelett getrennt, was auf eine außergewöhnliche Behandlung des Leichnams hindeutet.

Das Kindergrab im Fokus

Besondere wissenschaftliche Aufmerksamkeit gilt jedoch der Bestattung des Kindes. Nach anthropologischen Untersuchungen war es zum Zeitpunkt seines Todes jünger als 15 Jahre. Die Überreste wurden in einer zusammengekauerten Haltung am Rand einer Grabgrube niedergelegt. Das eiserne Schwert entspricht in Form und Abmessungen den typischen Waffen der späten Eisenzeit und ist eines der ältesten im Département Loiret entdeckten Exemplare. Allerdings ist die Schwertscheide schlicht gestaltet, während vergleichbare Funde aus dieser Epoche meist aufwendig verziert sind.

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Deutungsansätze der Archäologen

Die Forscher prüfen derzeit mehrere Hypothesen. Eine Deutung geht davon aus, dass die einfache Ausführung der Schwertscheide und das Fehlen weiterer Waffen mit dem jungen Alter des Kindes zusammenhängen und auf eine noch nicht abgeschlossene Einführung in den Kriegerstand hindeuten könnten. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Schwert vor allem eine symbolische Funktion erfüllte. Bestattungen von Kindern mit Waffen sind im archäologischen Kontext seltene Ausnahmefälle. Überdies ziehen die Wissenschaftler eine rituelle Interpretation in Betracht: Das Kind könnte im Zusammenhang mit kultischen Handlungen oder gewaltsamen Ereignissen gestorben sein.

Bedeutung des Funds

Die Kombination aus Kinderskelett, militärischer Ausrüstung und Bestattung in einem ehemaligen Getreidesilo macht den Fund von Pithiviers zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Bestattungskultur der frühen Eisenzeit. „Der Fund liefert wertvolle Erkenntnisse über die sozialen Strukturen, Bestattungsrituale und kulturellen Vorstellungen der keltischen Gesellschaften im vorrömischen Frankreich“, so die Archäologen. Weitere archäologische und naturwissenschaftliche Analysen sollen dazu beitragen, die Umstände der Bestattung und die gesellschaftliche Stellung des Kindes näher zu bestimmen. Unabhängig vom endgültigen Ergebnis bereichert der Fund bereits heute das Verständnis der eisenzeitlichen Kulturen in Gallien.

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