Kolumne: Wegner zieht sich zurück – Dummheit wird bestraft
Wegner zieht sich zurück – Dummheit wird bestraft

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat am Freitagnachmittag seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters erklärt. Der 53-Jährige reagiert damit auf die anhaltende Kritik an seinem Verhalten während des großflächigen Stromausfalls im Januar 2026. Wegner hatte zunächst behauptet, ab 8.08 Uhr morgens in Krisentelefonaten gewesen zu sein, tatsächlich fand das erste dienstliche Gespräch jedoch erst um 12.45 Uhr statt – während Zehntausende Berliner ohne Strom ausharrten.

Vom Tennismatch zur Glaubwürdigkeitskrise

Der Skandal begann mit der Enthüllung, dass Wegner am Morgen des Blackouts Tennis spielte. Anfangs verteidigte die Kolumnistin Alexandra Würzbach den Politiker noch: „Eine Stunde Tennis – meine Güte“, schrieb sie. Doch die Recherche des „Tagesspiegel“ deckte auf, dass Wegner über Monate an seiner falschen Darstellung festhielt. „Wer aber über Monate an seiner Darstellung festhält, die am Ende nicht stimmt, trifft eine bewusste Entscheidung“, kommentiert Würzbach. „Und hat ein Problem – nicht mit dem Stromnetz, sondern mit der Wahrheit.“

Politische Konsequenzen und Umfragewerte

Wegners Rückzug erfolgt vor dem Hintergrund schlechter Umfragewerte für die Berliner CDU. Laut aktuellen Erhebungen liegt die Partei weit abgeschlagen hinter möglichen Koalitionen aus Grünen und Linken. „Nach der jüngsten Umfrage ist die CDU weit entfernt von einer Chance, nach September an der Macht zu bleiben“, so Würzbach. Die SPD schneidet noch schlechter ab. Wegner selbst trägt nach Ansicht der Autorin eine Mitschuld: „Dummheit wird bestraft.“

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Die Rolle der Wahrheit in der Politik

Die Kolumnistin betont, dass Politik vieles verzeihe: schlechte Kommunikation, Eitelkeit, Fehler. „Ja, sogar eine Runde Tennis zur falschen Zeit. Das ist zwar blöd, aber man kann es politisch überleben. Wenn man es irgendwann mal mit der Wahrheit versucht.“ Wegner hingegen habe sich durch seine Falschaussagen selbst ins Aus geschossen. „Ich bin für die Schwachen. Aber ich bin nicht für die Dummen“, resümiert Würzbach. Politisch dumm sei es, aus einer peinlichen Stunde Tennis eine Affäre zu machen.

Ob Wegner als Regierender Bürgermeister weitermachen kann, wenn seine Glaubwürdigkeit derart beschädigt ist, bleibt fraglich. Die Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, ist ein erster Schritt. Die Berliner CDU steht nun vor der Herausforderung, einen neuen Spitzenkandidaten für die Wahl am 20. September zu präsentieren.

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