Stromausfall: Wegner telefonierte nicht mit Merz am ersten Tag
Stromausfall: Wegner telefonierte nicht mit Merz

Die Berliner Senatskanzlei hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls im Januar 2026 mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) telefoniert habe. Laut einer Mitteilung der Senatskanzlei an die Berliner Morgenpost habe Wegner am 3. Januar lediglich im Austausch mit dem Bundeskanzleramt gestanden – nicht mit dem Kanzler persönlich. „Etwas anderes hat der Regierende Bürgermeister zu keinem Zeitpunkt erklärt“, stellte die Behörde klar.

Telefonat erst am 4. Januar

Der Kontakt am ersten Tag des Stromausfalls sei über Textnachrichten erfolgt, nachdem Wegner sein Tennisspiel beendet hatte. Eine genaue Uhrzeit nannte die Senatskanzlei nicht. Das tatsächliche Telefonat mit Bundeskanzler Merz habe erst am 4. Januar stattgefunden. „Der telefonische Kontakt mit dem Bundeskanzler ist durch die Telefonliste des Regierenden Bürgermeisters vom 4. Januar nachweisbar“, hieß es. Einen Beleg für diese Aussage wollte die Senatskanzlei auf Nachfrage jedoch nicht vorlegen.

Tagesspiegel-Bericht und Rechtsstreit

Der „Tagesspiegel“ hatte zuvor berichtet, Wegner habe möglicherweise unwahre Angaben über seine Telefonate mit Merz gemacht. Die Zeitung führt einen laufenden Rechtsstreit vor dem Berliner Verwaltungsgericht gegen das Bundeskanzleramt (Az: VG 27 L 229/26). In diesem Verfahren wurde der Zeitung ein Schreiben des Kanzleramts übermittelt, in dem es heißt: „dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch.“

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Die entscheidende Einschränkung in der Antwort ist „soweit feststellbar“. Nach Informationen der Berliner Morgenpost bedeutet dies, dass der Austausch beim Bundeskanzleramt nicht mehr vollständig nachvollziehbar ist. Telefonlisten lägen aufseiten des Kanzleramts nicht mehr vor.

Wegners Interview-Aussage

In einem Interview mit der „Welt“ am 7. Januar hatte Wegner erklärt: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert – mit Stromnetz. Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister, habe die Voraussetzungen geschaffen, dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen. Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte. Ich war die ganze Zeit erreichbar.“

Darin sprach Wegner von einem Gespräch mit dem „Bundeskanzleramt“, was auch andere Personen als den Kanzler selbst meinen kann. In späteren parlamentarischen Anfragen war dann nur noch von einem „Austausch“ mit dem Bundeskanzleramt die Rede, nicht mehr von einem Telefonat am 3. Januar.

Wegners Rückzug als Spitzenkandidat

Am Freitag erklärte Kai Wegner seinen Rückzug als Spitzenkandidat der Berliner CDU für die anstehende Wahl am 20. September. Am Abend einigten sich die Kreisvorsitzenden auf Stefan Evers als Nachfolger. Er soll am Montagnachmittag vom Landesvorstand nominiert werden. Der Stromausfall und die Kommunikation während der Krise hatten zuletzt für politischen Druck auf Wegner gesorgt.

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