Ein Dorf in der Toskana wird zum Gemeinschaftsprojekt
Mehr als 90 Menschen haben sich zusammengetan, um in der Toskana ein ganzes Dorf zu kaufen. Die Initiative, die von der Historikerin Katrin Frische mit angestoßen wurde, verfolgt das Ziel, ein gemeinschaftliches Leben auf dem Land zu erproben. Das ehemals verlassene Dorf, das nun Borgo Batone heißt, soll zu einem lebendigen Ort der Begegnung und Nachhaltigkeit werden.
Die Idee hinter dem Kauf
Die Gruppe kaufte das Dorf für rund 1,5 Millionen Euro. Jeder der 90 Beteiligten investierte einen Anteil, der je nach finanziellen Möglichkeiten gestaffelt war. Katrin Frische betont: „Dieser Ort verdient eine Zukunft. Wir wollen zeigen, dass gemeinschaftliches Eigentum und nachhaltiges Leben im 21. Jahrhundert möglich sind.“ Das Projekt ist als Genossenschaft organisiert, sodass alle Mitglieder gleichberechtigt Entscheidungen treffen.
Leben und Arbeiten im Einklang
Die neuen Besitzer planen, die leerstehenden Häuser zu renovieren und als Wohnraum, Werkstätten und Gemeinschaftsräume zu nutzen. Ein Teil des Dorfes soll für Gäste und kulturelle Veranstaltungen offen sein. Landwirtschaft wird ebenfalls eine Rolle spielen: Die Gemeinschaft möchte einen Teil der Lebensmittel selbst anbauen. Frische erklärt: „Es geht nicht um Rückzug, sondern um ein Modell, das auch für andere Orte inspirierend sein kann.“
Herausforderungen und Visionen
Die Renovierung der historischen Bausubstanz wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Finanziert werden die Arbeiten durch die Mitgliedsbeiträge und zusätzliche Crowdfunding-Aktionen. Die Gemeinschaft hat sich klare Regeln gegeben: Konsensentscheidungen, transparente Finanzen und ein offenes Miteinander. „Wir lernen jeden Tag dazu“, sagt Frische. „Das Projekt ist ein Experiment, aber eines mit viel Potenzial.“
Bereits jetzt gibt es Interesse von Menschen aus ganz Europa, die ähnliche Projekte umsetzen möchten. Die Initiatoren hoffen, dass Borgo Batone als Beispiel für eine neue Form des ländlichen Zusammenlebens dient – jenseits von Vereinsamung und Landflucht.



