H5N1 erreicht heimische Tierwelt Australiens
Das hochansteckende Vogelgrippevirus H5N1 breitet sich in Australien weiter aus und hat nun erstmals einen heimischen Seevogel infiziert. Wie der Sender ABC unter Berufung auf die Regierung berichtete, wurde bei einer Eilseeschwalbe (Thalasseus bergii) an der Küste von Südaustralien der Erreger nachgewiesen. Zuvor war das Virus nur bei Zugvögeln aus der subantarktischen Region aufgetreten. Die Behörden untersuchen zudem, ob ein verendeter Australischer Seebär im Bundesstaat New South Wales infiziert ist. Robben können sich als Aasfresser leicht anstecken, wenn sie infizierte Vögel oder deren Kadaver fressen.
Gefahr für einzigartige Tierarten
Fachleute zeigen sich besorgt über die möglichen Folgen für die weltweit einmalige Tierwelt Australiens, darunter Koalas, Kängurus und Tasmanische Teufel. „Es lässt sich unmöglich vorhersagen, was passieren wird“, sagte Jose Quinteros, Dozent für Geflügelwissenschaften an der Universität Sydney, gegenüber News.com.au. „Australiens Tierwelt ist so einzigartig und isoliert, dass sie gegen neue Krankheitserreger nicht geschützt ist.“ Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, grassiert seit mehreren Jahren in der größten je dokumentierten Welle über mehrere Erdteile hinweg.
Ausbreitung von Zugvögeln ausgehend
Das Virus war vor drei Wochen erstmals auf dem australischen Festland bei einer Raubmöwe nachgewiesen worden. Damit erreichte H5N1 den letzten bislang verschonten Kontinent. Landwirtschaftsministerin Julie Collins bestätigte, dass Labortests der staatlichen Forschungsorganisation CSIRO den Erreger bei der Eilseeschwalbe feststellten. Weitere Untersuchungen sollen klären, ob sich das Tier bei infizierten Zugvögeln angesteckt hat. Die leitende Veterinärmedizinerin des Bundesstaates South Australia, Skye Fruean, sprach von einer „besorgniserregenden Entwicklung“. Zugvögel hätten H5N1 aus der Antarktisregion nach Australien gebracht. Heimische Seevögel wie die Eilseeschwalbe kämen mit ihnen sowohl auf See als auch an der Küste in Kontakt.
Besonders gefährliche Variante
Fruean bezeichnete H5N1 als „besonders gefährliche Variante der Vogelgrippe“. Das Virus breite sich „relativ leicht von Vogel zu Vogel aus, erfordert aber engen Kontakt – ähnlich wie die saisonale Grippe bei Menschen“. Bisher wurden zwölf Fälle bei Wildvögeln in Australien bestätigt. Maureen Christie von der Naturschutzorganisation Friends of Shorebirds SE sagte gegenüber ABC: „Seit Jahren sagen wir: Es ist nicht die Frage, ob das Virus kommt, sondern wann. Aber jetzt, wo es tatsächlich da ist, ist es einfach niederschmetternd.“
Keine Massensterben bisher
Ministerin Collins betonte, es gebe zumindest bis jetzt keine Hinweise auf ein Massensterben bei Wildtieren oder eine Ausbreitung in landwirtschaftliche Bestände. Die Behörden bleiben jedoch wachsam, da die Krankheit bei vielen Vogel- und Geflügelarten häufig tödlich verläuft. Die Sorge gilt insbesondere den endemischen Arten, die gegen neue Erreger keine Abwehrmechanismen entwickelt haben.



