Ammo Elias: 80-jähriger Friseur aus Beirut wird zum Internet-Star
Ammo Elias: 80-jähriger Friseur wird zum Star

Ein einziges Video hat das Leben des 80-jährigen Friseurs Elias Abboud in der libanesischen Hauptstadt Beirut grundlegend verändert. Der Mann, den alle nur „Ammo Elias“ nennen – übersetzt „Onkel Elias“ –, ist über Nacht zum Liebling der sozialen Medien geworden. Sein Friseursalon im Beiruter Stadtviertel Ain al-Rummaneh, der seit Jahrzehnten kaum verändert wurde, zieht nun junge Frauen, Fotografen und Fernsehteams an. Die Clips über ihn und seinen Laden erreichen Millionen von Nutzern – ein Phänomen, das die Kraft der Authentizität in Zeiten glatter Instagram-Perfektion zeigt.

Alles begann mit einer spontanen Idee der 24-jährigen Tatiana Antoun. Sie war auf der Suche nach einem Friseur, der ihr die Haare wäscht und föhnt – eine Routine, die viele libanesische Frauen mehrmals pro Woche durchführen lassen. „Da bin ich bei Ammo Elias gelandet“, erzählt sie. Sie filmte den Laden und veröffentlichte das Video mit dem Titel: „POV: Du bist in einem der ältesten Friseursalons des Libanon.“ Es war drei Uhr nachts, als sie postete. „Am nächsten Morgen waren wir berühmt“, sagt sie.

Ein Salon wie ein Museum

Der Charme des Salons ist unwiderstehlich und versetzt Besucher in eine andere Ära. Lederstühle aus den 1970er-Jahren, Plakate original aus den 1980ern und 1990ern, ein Ventilator, der die stickige Luft der Beiruter Julihitze bewegt – der Laden ist so authentisch, dass er so manchen Vintage-Laden in Berlin vor Neid erblassen ließe. Genau diese Ursprünglichkeit begeistert die Online-Community. In den Kommentaren zu den viralen Videos mischen sich Staunen und Herzlichkeit: „Er sollte in diesem Alter nicht mehr arbeiten“, schreiben manche, andere bewundern seine Energie und Hingabe.

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Abboud eröffnete den Salon im Jahr 1967. Seitdem ist er ein fester Bestandteil des Viertels Ain al-Rummaneh, einem der bekannten Bezirke Beiruts. Bis heute fährt er jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit. Von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags öffnet er seinen Laden. Früher wartete er hier auf seine Stammkundschaft, viele davon Männer aus der Nachbarschaft, die sich bei ihm rasieren ließen. Doch seit dem viralen Video drängen vor allem junge Frauen in seinen Salon. Alle wollen sich einmal von dem alten Mann mit dem verschmitzten Lächeln und dem manchmal wehmütigen Blick die Haare föhnen lassen. Mit seinen ruhigen Handgriffen und der jahrzehntelangen Erfahrung ist er zu einer lokalen Berühmtheit geworden.

Welle der Solidarität und neuer Ruhm

„Seit dem Video hat sich alles verändert. Alles ist besser geworden“, sagt Abboud bescheiden. Die Welle der Solidarität, die ihn erreicht, ist bemerkenswert. Unternehmen meldeten sich und boten ihre Dienste gratis an. Die Decke des Salons wurde bereits erneuert, die Aufarbeitung der Möbel steht bevor, und auch eine Firma für die Bodenreparatur hat sich angekündigt. Dabei ist es allen Helfern wichtig, dass der Vintage-Charme erhalten bleibt: Die Möbel sollen ihren Charakter behalten, aber fachgerecht restauriert werden.

Antoun, die die Initialzündung auslöste, kümmert sich inzwischen um das Management des Salons. Sie hat einen eigenen Social-Media-Account angelegt, der den Namen des Friseurs trägt: „aamoelias“. Innerhalb von nur drei Wochen ist die Zahl der Follower auf Instagram auf über 50.000 gestiegen. Fotografen schauen vorbei, Fernsehteams berichten aus dem kleinen Laden. Tausende Menschen haben Antoun nach dem ersten Video geschrieben. „Er selbst hat zwar ein Handy, aber das benutzt er nur für Anrufe“, erklärt sie schmunzelnd. „Ich halte ihn also über seinen digitalen Erfolg auf dem Laufenden.“

Arbeit bis ins hohe Alter – Realität im Libanon

Die Geschichte von Abboud ist dabei keine Ausnahme, sondern typisch für viele ältere Menschen im Libanon. Schneider, Schuhmacher, Uhrmacher und Verkäufer arbeiten oft bis ins hohe Alter weiter, weil es keine allgemeine Altersversicherung gibt. Die schwere Finanzkrise der vergangenen Jahre hat zudem viele Bürger um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. So wird die Arbeit für viele Senioren zur Notwendigkeit, nicht nur zur Beschäftigung. Abboud selbst lässt sich davon nicht beirren. Mit einem Schulterzucken und einem stillen Lächeln sagt er: „Ich liebe meine Arbeit.“ Dieser Satz ist wohl der Schlüssel zu seinem Erfolg: echte Leidenschaft, die in einer Welt voller Inszenierung sofort auffällt.

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Sein Salon ist damit nicht nur ein Ort der Haarpflege, sondern ein lebendiges Denkmal des alten Beirut – und ein Beweis dafür, dass Authentizität die Herzen der Menschen im Internet und darüber hinaus erreicht.