Anschlag in Ansbach: Zehn Jahre nach der Explosion – Fragen bleiben
Anschlag in Ansbach: Zehn Jahre danach – viele Fragen offen

Der Sprengstoffrucksack eines mutmaßlichen Islamisten detonierte am 24. Juli 2016 im Gastgarten eines Weinlokals in Ansbach. Der Attentäter war das einzige Todesopfer, doch viele Fragen sind auch zehn Jahre später noch unbeantwortet. Norbert Imschloß, der Wirt des Lokals, erinnert sich jedes Jahr kurz vor dem Jahrestag an die Ereignisse: „Eigentlich sei es immer an seinem Geburtstag etwa zwei Wochen vorher. Da denke ich, eigentlich habe ich zwei Geburtstage. Drei, vier Sekunden später, da wäre ich tot gewesen.“

Der Abend des Anschlags

Der 27-jährige Syrer, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, hatte offenbar ein Musikfestival in der Innenstadt von Ansbach als Ziel. Er fiel Imschloß auf, weil er vor dem Lokal hin- und herlief und sich über seinen Rucksack beugte. „Ich war am Eingang vom Haus, also praktisch vier, fünf Meter weg. Dann kam der Knall“, so Imschloß. Die Explosion verletzte mehrere Menschen, aber der Täter selbst starb.

Eine Welle der Gewalt

Die Tat war Teil einer Serie islamistischer Anschläge in Europa. Am 14. Juli 2016 tötete ein Attentäter in Nizza 86 Menschen, am 22. Juli erschoss ein rassistisch motivierter Täter in München neun Menschen, und im Dezember 2016 forderte ein Anschlag in Berlin 13 Todesopfer. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann betont, dass die Sicherheitskontrollen vor Ort funktioniert hätten: „Es bleibt festzuhalten, dass die Sicherheitskontrollen vor Ort ja funktioniert haben und es der Täter eben nicht geschafft hat, mit seinem Rucksack samt Sprengstoff das eigentliche Festival-Gelände zu betreten.“

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Veränderungen in den Köpfen

Wolfgang Decker vom Bayerischen Roten Kreuz war einer der ersten Sanitäter. Er dachte zunächst an eine explodierte Gasflasche: „Nach München gab es zwar ein mulmiges Gefühl. Zu diesem Zeitpunkt hatte es aber keiner auf dem Schirm, dass jemand in einer ländlich strukturierten Region einen Anschlag verüben könnte.“ Die Sicherheitsbehörden seien heute hellwach, so Herrmann, aber die Gefährdung durch islamistischen Terrorismus bleibe hoch.

Unbeantwortete Fragen zum Attentäter

Der Attentäter war als Asylbewerber aus Syrien über Bulgarien und Österreich nach Deutschland gekommen und nur geduldet. Er war bereits zuvor auffällig geworden, und eine psychische Problematik wurde von einem Heilpraktiker behandelt, dem Gerichte in anderen Fällen die Sachkunde abgesprochen hatten. Eine Verbindung zum Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) wurde nachgewiesen. Kurz vor der Explosion soll der Mann mit einer Verbindungsperson in Kontakt gewesen sein. Medienberichten zufolge wollte er sich nicht selbst umbringen, sondern den Rucksack auf das Festival schmuggeln. Die Bundesanwaltschaft macht die Ermittlungsergebnisse bis heute nicht öffentlich; aus Karlsruhe heißt es nur: „Die Ermittlungen dauern an.“

Verändertes Gefährderprofil

Laut Verfassungsschutz sind Gefährder heute jünger, weniger ideologisch aufgeladen, aber brutaler. „Eine besondere Herausforderung stellt die rasante, meist online stattfindende Radikalisierung von Minderjährigen dar“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Sie schließen sich eher in kleinen Gruppen zusammen als an große Terrornetzwerke.

Umgang mit dem Jahrestag

Norbert Imschloß hat nie ans Aufhören gedacht: „Das war Zufall.“ Sorgen bereitet ihm, dass die AfD jedes Jahr rund um den 24. Juli versucht, am Anschlagsort Blumen niederzulegen. „Das Ganze wird von Leuten, die keine Ahnung haben, ideologisch ausgenutzt.“ Die Stadt Ansbach hat für den Jahrestag mehrere Versammlungen angemeldet: Die AfD plant Veranstaltungen in der Innenstadt, während ein „Markt der Demokratie“ mit Organisationen, Gewerkschaften und Parteien ein Zeichen für Vielfalt und Menschenwürde setzen will.

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