Die Zahl registrierter antimuslimischer Vorfälle in Deutschland ist 2025 erneut deutlich gestiegen. Laut einem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Lagebild der Organisation Claim wurden bundesweit 4096 Fälle dokumentiert – ein Anstieg von 33 Prozent gegenüber 3080 Fällen im Jahr 2024. Das entspricht etwa elf Vorfällen pro Tag.
Zwei Tötungsdelikte und 214 Körperverletzungen
Unter den registrierten Vorfällen sind Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie Gewalttaten. Besonders schwerwiegend: 2025 wurden zwei Tötungsdelikte erfasst, zudem 214 Körperverletzungen, darunter vier versuchte Tötungen (2024: 198 Fälle). In 64,5 Prozent der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, waren Frauen betroffen. 61 Angriffe richteten sich gegen Moscheen.
Verbesserte Erfassung, aber hohe Dunkelziffer
Das Lagebild stützt sich auf Informationen von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern (2024: 26 Einrichtungen aus 13 Bundesländern). Berücksichtigt wurden auch die bundesweiten Fallzahlen der politisch motivierten Kriminalität, Polizeipressemitteilungen, Angaben über ein eigenes Meldeportal sowie Medienberichte. Claim geht davon aus, dass der Anstieg zumindest teilweise auf eine bessere Erfassung zurückgeht. Gleichzeitig verweist die Organisation auf eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte aus dem Jahr 2024, wonach in Deutschland nur vier Prozent der Betroffenen eine erlebte Diskriminierung melden. Die tatsächliche Zahl der Vorfälle dürfte daher deutlich höher liegen.
Alltagserfahrungen und Vertrauensverlust
„Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen in Deutschland Alltag“, erklärte Rima Hanano, Ko-Geschäftsführerin von Claim. Neben schweren Gewalttaten gebe es zahlreiche Vorfälle auf der Straße, im Wohn- oder Arbeitsumfeld – etwa Beleidigungen oder Versuche, Mädchen das Kopftuch herunterzureißen. Auch im Umgang mit Behörden komme es zu rassistischen Vorfällen. „Rassismuserfahrungen zerstören Vertrauen in Politik und Institutionen. Sie verstärken das Gefühl, nicht dazuzugehören“, warnte Hanano. Gleichzeitig werde die Existenz von antimuslimischem Rassismus immer häufiger geleugnet. „Zunehmend entsteht der Eindruck, dass muslimische Menschen in der öffentlichen Debatte vor allem als Täter vorkommen dürfen – nicht aber als Betroffene von Ausgrenzung und Gewalt.“
Verbindung zu gesellschaftlichen Debatten
Häufig stehen antimuslimische Vorfälle laut Lagebild in Verbindung mit gesellschaftlichen und politischen Debatten über Migration, Asyl, Integration und Sicherheit. Ein Teil der Fälle könne dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden. Claim fordert eine zügige Neuauflage des Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen. Das zivilgesellschaftliche Monitoring zu antimuslimischen Vorfällen solle finanziell besser abgesichert werden – analog zu den Regelungen bei Antisemitismus oder Antiziganismus. Zudem verlangt die Organisation eine bessere staatliche Erfassung und Aufklärung sowie eine effektivere Strafverfolgung antimuslimischer Hasskriminalität.



