In Tempelhof-Schöneberg führt der Eichenprozessionsspinner zu immer mehr Problemen. Täglich gehen zwischen 30 und 100 neue Meldungen über befallene Bäume ein. Die Kosten für die Bekämpfung werden in diesem Jahr voraussichtlich auf über 150.000 Euro steigen. Das Bezirksamt wirft dem Senat vor, notwendige finanzielle und organisatorische Unterstützung zu verweigern.
Bezirksamt schlägt Alarm
In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung zeichnet das Bezirksamt ein alarmierendes Bild. Der Fachbereich Grünflächen arbeite bereits an seiner Belastungsgrenze, zusätzliche personelle Ressourcen stünden nicht zur Verfügung. Gleichzeitig müsse der Bezirk befallene Bereiche kontrollieren, absperren, Bürgerhinweise bearbeiten und Fachfirmen mit der Entfernung der Nester beauftragen.
Betroffene Bereiche: Spielplätze und Parks
Besonders betroffen sind stark frequentierte Bereiche wie Spielplätze, Schulen, Kitas, Sportanlagen, Friedhöfe und Parkanlagen. Dort werden Nester abgesaugt oder Flächen vorübergehend gesperrt. Im Volkspark Mariendorf mussten beispielsweise Bereiche rund um den Sportplatz zeitweise geschlossen werden. An einzelnen Bäumen wurden dort bis zu 20 Nester festgestellt.
Berlinweite Koordination gefordert
Die Situation beschäftigt inzwischen alle zwölf Berliner Bezirke. Gemeinsam haben sich die zuständigen Bezirksstadträte an den Senat gewandt. Dabei forderten sie zusätzliche finanzielle Mittel, eine berlinweite Koordinierung sowie einheitliche Standards im Umgang mit dem Schädling. Die Bezirke argumentieren, dass die gesundheitlichen Folgen der Brennhaare – von Hautausschlägen über Augenreizungen bis zu Atemwegsbeschwerden – den Eichenprozessionsspinner längst zu einem Gesundheits- und Gefahrenabwehrthema gemacht haben.
Senat lehnt Hilfe ab
Die erhoffte Unterstützung blieb jedoch aus. Bei einem Treffen von Senatsverwaltungen und Bezirken am 16. Juni wurden sowohl zusätzliche Finanzhilfen als auch eine zentrale Koordinierung des Umgangs mit dem Eichenprozessionsspinner abgelehnt, berichtet das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Auch die Forderung, den Schädling offiziell als Gesundheitsproblem einzustufen, fand demnach keine Unterstützung. Die fehlende Unterstützung der Senatsfachverwaltungen sei eine „Hiobsbotschaft“ gewesen, heißt es aus dem Bezirksamt.
Klimawandel begünstigt Ausbreitung
Nach Einschätzung des Bezirksamts ist der Eichenprozessionsspinner längst kein lokales Problem mehr, sondern ein berlinweites Phänomen, das durch klimatische Veränderungen begünstigt wird. Ohne eine umfassende und ausreichend finanzierte Gesamtstrategie drohe die Situation in den kommenden Jahren weiter zu eskalieren.



