Bei einem Berliner Spaziergang durch Charlottenburg-Wilmersdorf erinnert Autor Jan Jekal an das Schicksal von Künstlern, die vor den Nationalsozialisten flohen, in Hollywood Karriere machten und dort erneut verfolgt wurden. „Billy Wilder kam nie von Berlin los“, sagt Jekal vor einer alten Villa im Ludwigkirch-Kiez. Der Spaziergang trägt den Titel „Paranoia in Hollywood“ und beleuchtet die Ängste und Verfolgungen, die viele Exilanten auch in den USA nicht losließen.
Flucht vor den Nazis und neuer Anfang in Hollywood
Jan Jekal, Bezirksreporterin Iris May begleitete ihn auf der Spurensuche. Viele der geflohenen Künstler, darunter berühmte Regisseure wie Billy Wilder, fanden in Hollywood eine neue Heimat. Doch die Bedrohung durch das NS-Regime setzte sich fort: In den USA wurden sie oft als feindliche Ausländer betrachtet und unter Generalverdacht gestellt. „Die Paranoia war allgegenwärtig“, erklärt Jekal. „Selbst in Hollywood, dem vermeintlichen Paradies, lebten viele in ständiger Angst vor Denunziation und Überwachung.“
Die Schatten der Vergangenheit in Berlin
Der Spaziergang führt zu ehemaligen Wohnhäusern und Treffpunkten der Exilanten. Jekal zeigt auf ein Gebäude, in dem einst ein Café war, in dem sich Künstler vor ihrer Flucht trafen. „Hier wurde über die Fluchtwege diskutiert, aber auch über die Hoffnung auf ein Leben ohne Verfolgung“, sagt er. Die Villen im Ludwigkirch-Kiez erinnern an die wohlhabenden Jahre vor 1933, als viele jüdische Künstler und Intellektuelle in Berlin lebten und arbeiteten.
„Paranoia in Hollywood“ – ein Buch über die zweite Verfolgung
Jan Jekal hat das Buch „Paranoia in Hollywood“ geschrieben, das sich mit der zweiten Verfolgungswelle dieser Künstler beschäftigt. „Viele wurden von den Nazis enteignet und mussten alles zurücklassen. In Hollywood begannen sie neu, aber die alten Ängste blieben“, so Jekal. Das Buch zeigt, wie der McCarthyismus in den 1950er Jahren viele Exilanten erneut traf, die nun als Kommunisten verdächtigt wurden. „Billy Wilder hatte Glück, er blieb weitgehend verschont. Aber andere wurden auf die Schwarze Liste gesetzt und konnten nicht mehr arbeiten.“
Ein Spaziergang als Erinnerungskultur
Der Rundgang durch Charlottenburg-Wilmersdorf ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen zur Erinnerung an die Exilanten. Jekal betont die Bedeutung, diese Geschichten lebendig zu halten: „Es geht nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Gegenwart. Die Mechanismen der Ausgrenzung und Verfolgung sind leider immer noch aktuell.“ Teilnehmer des Spaziergangs zeigten sich tief beeindruckt. „Man läuft hier jeden Tag vorbei und weiß nicht, welche Geschichten sich hinter den Fassaden verbergen“, sagte eine Besucherin.
Blick in die Zukunft: Erinnerung wachhalten
Jan Jekal plant weitere Spaziergänge und Vorträge, um das Bewusstsein für das Schicksal der Exilanten zu schärfen. „Es ist wichtig, dass wir uns erinnern und daraus lernen“, sagt er. Der Spaziergang endet an einem Ort, der symbolisch für den Neuanfang steht: einem Kino, das einst von einem Exilanten gegründet wurde. „Hier wurde gezeigt, dass Kunst und Kultur auch unter schwierigsten Bedingungen überleben können“, so Jekal abschließend.



