Bob Young, der legendäre Partyveranstalter, der das Berliner Nachtleben nach dem Mauerfall maßgeblich mitgestaltete, ist tot. Er starb am vergangenen Donnerstag auf einem Berliner Golfplatz an einem Herzinfarkt, wie am Wochenende bekannt wurde. Young wurde 64 Jahre alt.
Vom Club 90 Grad zur Partyreihe GMF
Gemeinsam mit Britt Kanja eröffnete Young vier Wochen vor dem Mauerfall den Club 90 Grad in einer alten Autowerkstatt am Gleisdreieck. Der Club entwickelte sich schnell zu einem Hotspot mit langen Schlangen und Prominenten im Publikum. Britney Spears wurde einmal nicht eingelassen, weil der Türsteher sie nicht erkannte und sie offenbar kein Geld dabei hatte. George Clooney flirtete mit der Toilettenfrau, die ihm einen Kuss auf die Wange gab. Solche Geschichten machten den Club berühmt. Ende der Neunziger gaben die Gründer den Laden ab; bis zum Abriss 2011 erreichte er nicht mehr die alte Blüte.
Doch Youngs Partykarriere war noch nicht vorbei. Seit 1996 veranstaltete der aus Memphis/Tennessee stammende US-Amerikaner die sonntägliche Reihe GMF im Technoclub WMF. Das G stand für „gay“ und die Idee, am Sonntag eine Party anzubieten, füllte eine Marktlücke. Star-DJs wie Westbam oder Paul van Dyk legten dort auf. Das GMF zog durch acht Locations, meist in Mitte. Viele hielten das Café Moskau mit seinem ostigen Vorsanierungscharme für den besten Ort. Die beiden Dancefloors waren immer voll, die Stimmung ekstatisch.
Youngs Wirken für die queere Szene
Young, der 1983 zum Studieren nach West-Berlin kam und zunächst als Kellner jobbte, wuselte auf den Partys durch die Menge, begrüßte die Feiernden, trank und quatschte mit ihnen. Deutsch sprach er exzellent und mit scharfem Witz. Im GMF entdeckte er immer wieder neue Talente, darunter die Dragqueen Barbie Breakout. Sie fragte er eines Nachts, ob sie schon aufgelegt habe. Trotz geringer Vorkenntnisse sagte sie Ja und spielte 2004 ihr erstes Set im GMF, wie sie auf Instagram schreibt. Ein Erinnerungspost an Young sagt: „So viele DJs, Drag Queens und Performer haben ihre ersten Schritte bei einem deiner Events gemacht, so viele Freundschaften und Beziehungen starteten nur, weil man sich im GMF getroffen hatte.“
Young hat nicht nur Karrieren angeschoben, sondern auch die queere Feierkultur zum Nachtleben-Pulsgeber Berlins gemacht. Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano, einstiger GMF-Stammgast, schrieb auf Instagram: „Er hat über Jahrzehnte Räume geschaffen, in denen Queers sich finden, ausprobieren, lieben und feiern konnten. Räume, in denen aus Scham Stolz werden durfte, aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus einer Nacht eine Heimat wurde.“
Weitere Ideen und letzte Jahre
Young war ein Zeremonienmeister der Nacht und der Freiheit. Seine Partys waren Orte der Emanzipation. Als Halloween in Deutschland noch unbedeutend war, veranstaltete er große Halloween-Partys mit aufwendigen Kostümen. Beim CSD in den Nullerjahren kooperierte das GMF im Café Moskau mit dem gegenüberliegenden Kino International; die Karl-Marx-Allee wurde zur CSD-Allee, einer bunten Feierstraße nach der Demo. Auch als Barbetreiber versuchte er sich, weniger erfolgreich. In den letzten Jahren setzten ihm die Folgen eines schweren Fahrradunfalls zu. Im Kreis seiner Freunde zeigte er sich weiter voller Esprit und Feierfreude.



