Brandbrief an Bundestag: Gesetzeslücke kostet jährlich 1000 Leben bei Organspende
Brandbrief: Organspende-Lücke kostet 1000 Leben jährlich

Am Donnerstag debattiert der Bundestag über die umstrittene Widerspruchslösung bei Organspenden. Kurz vor dieser Entscheidung hat das Bündnis „Leben Spenden e. V.“ einen Brandbrief an alle Abgeordneten geschickt. In dem Schreiben, das BILD vorliegt, wird die aktuelle Situation in Deutschland als „moralisch und gesundheitspolitisch nicht mehr vertretbar“ bezeichnet.

Klaffende Lücke zwischen Zustimmung und Umsetzung

Während rund 85 Prozent der Bevölkerung einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen, hat nur ein deutlich geringerer Teil seine Entscheidung schriftlich dokumentiert. Selbst bei diesen Personen seien entsprechende Dokumente im Ernstfall häufig nicht auffindbar. „Diese eklatante Lücke zwischen grundsätzlicher Zustimmung und praktischer Umsetzung kostet Menschenleben“, heißt es in dem Brief.

Die Fakten sind alarmierend: Derzeit warten in Deutschland mehr als 8100 Menschen auf ein Spenderorgan. Im Jahr 2025 gab es jedoch nur 985 Organspenden. Die Konsequenz: „Jährlich sterben rund 1000 Menschen, während sie auf ein lebensrettendes Organ warten.“ Das Bündnis bezeichnet das Festhalten am bestehenden System als „kollektive unterlassene Hilfeleistung“ und fordert die Politik zum Handeln auf.

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Spanien als Vorbild: Fünfmal mehr Spenden

Das Bündnis verweist auf die Erfahrungen anderer Länder. In mehr als 25 europäischen Staaten gilt bereits die Widerspruchsregelung. Besonders Spanien wird als Vorbild genannt: Dort kommen 53 Organspender auf eine Million Einwohner – in Deutschland sind es nur 11. Die Forderung lautet daher: Jeder Bürger soll grundsätzlich als potenzieller Organspender gelten, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht. Das Recht auf Ablehnung bleibe dabei jederzeit erhalten.

Zu den Unterstützern des Appells zählen mehrere renommierte Mediziner der Charité, die frühere Patientenbeauftragte der Bundesregierung Prof. Dr. Claudia Schmidtke sowie der Autor David Wagner, der 2007 selbst durch eine Lebertransplantation gerettet wurde.

Früherer Gesetzentwurf gescheitert

Bereits 2020 gab es den Versuch, eine doppelte Widerspruchslösung einzuführen. Damals hätte jeder als Spender infrage kommen sollen, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hätte. Zusätzlich wären die Angehörigen nach dem Tod befragt worden. Doch der vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seinem späteren Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) unterstützte Gesetzentwurf wurde vom Bundestag abgelehnt.

Zwei neue Initiativen im Bundestag

Nun gibt es zwei neue Initiativen für eine Reform des Transplantationsrechts: Die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), setzt sich mit einer fraktionsübergreifenden Gruppe für die Einführung der Widerspruchslösung ein. Die Gegeninitiative, angeführt von den Abgeordneten Lars Castellucci (SPD) und Stephan Pilsinger (CSU), lehnt dies ab und setzt stattdessen auf einen Ausbau des Organspende-Registers.

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