Zwei Tage nach dem Lawinenabgang am Broad Peak in Pakistan hat der Alpine Club Pakistan (ACP) bestätigt, dass mindestens drei Teilnehmer der zehnköpfigen internationalen Bergsteigermission um Nirmal Purja ums Leben gekommen sind. Die übrigen Expeditionsmitglieder seien anhand ihrer GPS-Signale am Berg geortet worden, teilte der Verband der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Rettungsarbeiten laufen weiter.
Rettungskräfte nehmen Anstieg wieder auf
Die Bergsteigerorganisation hatte den Kontakt zu dem Team am Donnerstag verloren. Die Lawine ereignete sich in einer Höhe von rund 6000 Metern am Broad Peak. In der Nacht auf Samstag wurde die Suchmission wegen der schwierigen Bedingungen zunächst unterbrochen. Am Samstag brachen dann zehn pakistanische und nepalesische Retter zu einer neuen Mission auf, um die Unglücksstelle zu erreichen.
Bereits am Freitagabend hatte der ACP auf Instagram mitgeteilt, dass per Drohne die Körper von sieben Menschen gesichtet worden seien. Zugleich betonte der Verband: „Allerdings lassen sich ihr Zustand und ihre Identität bislang noch nicht bestätigen.“ Obwohl mehrere Körper von der Drohne erfasst wurden, bleibt damit unklar, wer genau zu den Todesopfern gehört.
Zehnköpfiges Team aus mehreren Nationen
An der Expedition auf den rund 8050 Meter hohen Berg waren nach Angaben des ACP ursprünglich sechs Bergsteiger aus Nepal, ein Bergsteiger aus Pakistan, ein Chinese, eine US-Amerikanerin sowie eine Frau aus dem Oman beteiligt. Der Broad Peak liegt im Karakorum-Gebirge an der Grenze zwischen Pakistan und China und ist der zwölfhöchste Berg der Erde. Die Region im Norden Pakistans zieht jedes Jahr viele internationale Expeditionen an.
Geleitet wurde die Gruppe von Nirmal Purja, dem bekannten nepalesischstämmigen Alpinisten mit britischer Staatsangehörigkeit. Purja wurde 2019 weltberühmt, als er sämtliche 14 Achttausender innerhalb von sieben Monaten bestieg – damals ein Rekord. Diese Bestmarke wurde 2023 von einer Norwegerin und einem Nepalesen im Team übertroffen. Bereits im Oktober 2024 war der auch als Nimsdai bekannte Bergsteiger nach Kathmandu zurückgekehrt, nachdem er alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen hatte.
Purjas besondere Motivation am Broad Peak
Dass Purja ausgerechnet am Broad Peak unterwegs war, hatte einen konkreten sportlichen Hintergrund. In seinem letzten Beitrag auf der Plattform X am Montag schrieb er, der Broad Peak sei ursprünglich nicht Teil seines Plans gewesen. Erst nach der Besteigung des Gasherbrum II, einem weiteren Achttausender in Pakistan, sei der Gipfel entscheidend geworden: Wenn er auch den Broad Peak bezwingt, wäre er der erste Mensch, der alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff zweimal bestiegen hat.
Die Tragödie ereignete sich also genau an jenem Berg, der für Purja das letzte fehlende Stück zu einem weiteren historischen Erstaufstieg gewesen wäre. Nun stehen jedoch nicht sportliche Ambitionen im Vordergrund, sondern die Suche nach den sieben Vermissten und die Bergung der Toten. Die Behörden in Pakistan haben bislang keine weiteren Details zu den Opfern veröffentlicht.
Dokumentation und Autobiografie machten ihn berühmt
Purja ist über die Bergsteigerszene hinaus bekannt. Die Netflix-Produktion „14 Peaks: Nothing is Impossible“ erzählt von seiner Rekordjagd auf alle 14 Achttausender und zeigt die extremen Bedingungen, denen er und sein Team dabei ausgesetzt waren. Seine Autobiografie erschien 2022 in deutscher Sprache unter dem Titel „Jenseits des Möglichen: 1 Mann, 6 Weltrekorde, 14 Achttausender“.
Am Broad Peak selbst geht die Rettungsmission unterdessen weiter. Die Helfer arbeiten unter lebensbedrohlichen Bedingungen in großer Höhe. Angesichts der eisigen Temperaturen und der abgelegenen Lage ist die Rettung aller Betroffenen eine logistische Herausforderung. Der Alpine Club Pakistan will die Öffentlichkeit über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden halten.



