Historikerin schreibt Buch über 100-jährige Geschichte eines Hauses an der Krummen Lanke
Buch über 100-jährige Hausgeschichte an der Krummen Lanke

Monika Zimmermann, Historikerin und Journalistin, hat ein Buch über die Geschichte des Hauses an der Fischerhüttenstraße 137 in Steglitz-Zehlendorf geschrieben. Sie lebt selbst seit Jahren in dem Gebäude und wollte ursprünglich nur wissen, wer es gebaut hat. Die Recherche führte sie tief in die Vergangenheit – und zu einem Buch mit dem Titel „Das Haus am See“.

Vom Bademantel zur Buchvorstellung

Im Sommer geht Monika Zimmermann früh um sechs im Bademantel zum See und schwimmt eine Runde. Die Krumme Lanke ist klar und ruhig. Ihr Haus grenzt direkt an Wald, Strand und Badestellen. Vor über 100 Jahren sah die Gegend jedoch anders aus: Fünf Lokale mit großen Terrassen lockten Berliner in die Sommerfrische, es gab eine Badeanstalt. Übrig geblieben sind die „Alte Fischerhütte“ und „Das Haus am See“ – so auch der Buchtitel.

Monika Zimmermann, Jahrgang 1949, war Redakteurin und DDR-Korrespondentin bei der FAZ, Chefredakteurin beim Tagesspiegel und der Mitteldeutschen Zeitung und arbeitete zuletzt in der Sächsischen Senatskanzlei. Nach Stationen am Schlachtensee zog es sie an die Krumme Lanke.

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Eine besondere Erwerbsgemeinschaft

Als die Witwe des letzten Eigentümers 1994 starb, vermachte sie das Gebäude dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Das Bauamt stellte fest, dass eine Sanierung sich nicht trage. Daraufhin kaufte eine Erwerbergemeinschaft, darunter Mieter, das Haus. Heute besteht es aus neun Eigentumswohnungen, modernisiert mit Fahrstuhl. Monika Zimmermann erwarb 2000 eine Wohnung im Erdgeschoss. „Freunde rieten mir ab und sagten: Was willst du mit dem düsteren Loch?“, erzählt sie. Mit einem Architekten baute sie um – heute fällt viel Licht durch Glasfronten, und die Terrasse führt in den Garten.

Recherche in Archiven und bei Zeitzeugen

Die Autorin begann im Bauaktenarchiv im Rathaus Zehlendorf. „Ich war im Bauaktenarchiv und habe mich dann in das Thema verbissen“, so Zimmermann. Sie arbeitete sich durch Bestände des Bundes- und Landesarchivs, besuchte Bibliotheken, Ämter und Zeitzeugen in der Schweiz und München. Die Hilfe des Heimatvereins Zehlendorf hob sie besonders hervor. Die Geschichte des Hauses beginnt 1911, als ein Gastwirt eines Ausflugslokals sein Geld in einem Landhaus mit Wohnungen anlegte. Die Baufirma lieferte den Entwurf mit – kein Architekt war beteiligt. Es entstanden bis zu 200 Quadratmeter große Wohnungen und kleine Einliegerwohnungen für Personal mit separaten Dienstbotenaufgängen.

Das Buch zeichnet die Geschichte der Besitzer nach: ein Buchhändler, sein Bevollmächtigter, ein Schweizer Chemiker, der als Eishockeystar, Tennislehrer und Darsteller in Filmen von Leni Riefenstahl bekannt war. Auch Bewohner wie Professoren, Ärzte und Juristen tauchen auf – vor allem bei Beschwerden. Die Probleme haben sich in 100 Jahren kaum geändert.

Ausflugslokale und ihre Geschichte

Der Bahnhof Beerenstraße (heute Mexikoplatz) ging 1905 in Betrieb, 1929 kam der U-Bahnhof Krumme Lanke. Der See wurde zum beliebten Ziel. In den 1960er-Jahren gingen die Ausflugslokale zurück, alle Terrassencafés bis auf die „Alte Fischerhütte“ wurden abgerissen. Ob das Fernsehen daran schuld war, bleibt Spekulation. Heute ist es wieder lebhaft: Gruppen junger Leute ziehen zum See, vom Strand dringt Stimmengewirr und Toben im Wasser – wie vor 100 Jahren.

Monika Zimmermann liest am 15. August um 19 Uhr im Antiquariat „Primobuch“ in Steglitz, Herderstraße 24, aus dem Buch „Das Haus am See“ (Verlag für Berlin-Brandenburg, 22 Euro). Eintritt frei, Anmeldung unter Tel: 030 / 701 78 715 oder kontakt@primobuch.de.

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