Ein friedliches, buntes Fest mit mehreren hunderttausend Menschen aus aller Welt endete in der Hauptstadt in einer Tragödie: Unter Hochdruck fahndet die Polizei in Berlin nach dem Fahrer, der einen Kastenwagen in eine Menschenmenge unweit des Christopher Street Days (CSD) gefahren hat. Eine Frau starb, zahlreiche Menschen wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Die Polizei geht von einer Terrortat aus.
Fahndung nach Abdul B.
In der Nacht erklärten die Behörden, dass sie einen Verdächtigen identifiziert hätten: „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, sagte ein Polizeisprecher. Abdul B. (21), ein deutscher Staatsbürger mit libanesischer Herkunft, wird wie folgt beschrieben: schlank, circa 1,90 Meter groß, schwarze Haare, schwarzer Hoodie und weiße Hose. Die Polizei veröffentlichte am Morgen ein Foto und warnte: „Sollten Sie den Mann antreffen, wählen Sie unverzüglich die 110! Sprechen Sie ihn nicht an, er ist möglicherweise bewaffnet und gefährlich!“ Nach BILD-Informationen wurde der 21-Jährige erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen. Er soll IS-Anhänger sein.
Details der Tat
Gegen 22 Uhr fuhr der weiße Transporter in der Nähe des Potsdamer Platzes plötzlich in die Menschenmenge. Eine Frau starb dabei, 16 weitere Menschen wurden verletzt, davon drei lebensbedrohlich, acht schwer und fünf leicht. Der Citroën-Kastenwagen prallte nach der Tat gegen einen Baum. Der Täter war mit dem Wagen am Ahornsteig parallel zur Lennéstraße unterwegs, wo er mehrere Menschen anfuhr, möglicherweise auch umfuhr, bevor er den Baum rammte. Der Fahrer stieg aus und flüchtete in unbekannte Richtung.
Die Polizei prüft, ob es Mittäter gab. Zeugenangaben zufolge sollen einige Menschen durch Stiche verletzt worden sein; manche wollen einen schwarz gekleideten Mann mit einer Machete gesehen haben. Nach BILD-Informationen prüft die Polizei zudem, ob ein zweiter Verdächtiger an der Tat beteiligt war. Das Gebiet wurde großräumig abgesperrt, der Tiergarten geräumt und mit Wärmebildkameras abgesucht. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass sich der Täter noch in Tatortnähe aufhält, sondern anderswo in Berlin ist.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Noch ist unklar, ob der Verdächtige wirklich das Fahrzeug steuerte und wem der weiße Kastenwagen gehört. Der leere und stark demolierte Transporter wurde sichergestellt. In den Stunden nach der Attacke gab es mehrere Polizeieinsätze in Berlin, die im Zusammenhang mit der Tat standen, darunter eine Durchsuchung kurz nach 1 Uhr in einer Wohnung im Stadtteil Schöneberg. Da dort niemand angetroffen wurde, gab es keine Festnahme. Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin ermitteln „aufgrund des Verdachts eines Anschlags“.
Reaktionen der Politik
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) reagierte bestürzt: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft – nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Was für eine abscheuliche Tat in Berlin. Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen. Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“



