Die Kleintierärztin Dr. Kirsten Tönnies hat am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Hamburg die Ergebnisse einer DNA-Analyse zu zwei Gewebeproben vorgestellt, die angeblich vom Buckelwal „Timmy“ stammen. Die Analyse sorgt für erhebliche Verwirrung, da Tönnies angab, dass die Proben „unterschiedliche Tierarten“ zeigen würden. Die Pressekonferenz wurde von der Videonachrichtenagentur News5 live übertragen.
Hintergrund des Wal-Dramas
Der Buckelwal, der von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt wird, war Mitte Mai in der Ostsee gestrandet. Eine private Rettungsinitiative transportierte das geschwächte Tier mit einem Lastkahn zum Eingang der Nordsee. Wenige Tage später wurde ein toter Buckelwal an der dänischen Küste vor der Insel Anholt gefunden – offiziell galt dies als „Timmy“. Die „Bild“-Zeitung berichtete jedoch am Mittwoch, dass DNA-Analysen Zweifel an der Identität des Kadavers aufkommen lassen.
Pressekonferenz mit überraschenden Aussagen
Zu Beginn der Pressekonferenz betonte Tönnies, dass sie nicht für die gesamte Rettungsinitiative spreche. Sie habe die DNA-Analyse bei einem Labor in China in Auftrag gegeben. Die erste Probe sei am 1. Mai während des Transports im Lastkahn entnommen worden, die zweite am 18. Mai vom Kadaver vor Anholt. Die Auswertung überließ sie einer anonymen Gruppe von Fachleuten.
„Beide Probenmaterialien stammen von einem weiblichen Tier“, sagte Tönnies. Dies deckt sich mit der dänischen Obduktion, die ergab, dass der tote Wal ein Weibchen war – im Widerspruch zu früheren Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, der von einem jungen Bullen gesprochen hatte. Noch irritierender war Tönnies‘ Aussage, die Proben gehörten zu „unterschiedlichen Tierarten“. Auf Nachfrage von Journalisten, wie dieses Ergebnis zustande komme und ob sie die Daten selbst verstehe, wich Tönnies aus und versprach, die Ergebnisse nach der Pressekonferenz zu veröffentlichen.
Offene Fragen und Widersprüche
Der Fall wirft zahlreiche ungeklärte Fragen auf. Die Entnahme der Proben erfolgte ohne unabhängige Zeugen, und die Lagerung ist unklar. Der GPS-Tracker, der am Wal befestigt wurde, lieferte laut Geldgeberin Karin Walter-Mommert nur „Datenmatsch“ und wurde erst später durch einen Taucher geborgen. Die Seriennummer stimmte überein. Ein „Bild“-Reporter verglich Fotos der Fluke des toten Wals mit Aufnahmen von „Timmy“ aus Niendorf und fand Übereinstimmungen in den Konturen und Narben.
Die private Rettungsinitiative und die beteiligten Behörden streiten öffentlich über die Finanzierung und die Umstände der Freilassung, von der es keine Videoaufnahmen gibt. Tönnies‘ Pressekonferenz hat die Verwirrung weiter verstärkt, anstatt Klarheit zu schaffen.



