DNA-Test sorgt für Verwirrung
Nahezu zwei Monate lang sorgte im Frühjahr ein Wal in der Ost- und Nordsee für Aufregung. Jetzt liegt das Ergebnis eines DNA-Tests vor, das jedoch mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Laut Bericht der „Bild“-Zeitung besagt das Testergebnis, dass der an der dänischen Insel Anholt angespülte und zerlegte Wal nicht der als Timmy oder Hope bekannte Ostsee-Wal ist.
Mitglieder der freiwilligen Rettungsinitiative hatten eine Gewebeprobe entnommen und mit einer früheren Probe aus einem Fachlabor vergleichen lassen. Die offizielle Vorstellung der Ergebnisse ist für den Tagesverlauf in Hamburg geplant, doch die Zeitung hatte bereits Einblick in die Unterlagen. Demnach stimmen die beiden Proben nicht überein. Die gängigste Interpretation sei, dass sie von verschiedenen Tieren stammen.
Mögliche Fehlerquellen
Jedoch könnte die Qualität der Proben gelitten haben, was zu einer Verfälschung des Testergebnisses geführt haben könnte. Eine mögliche Erklärung dafür sei eine falsche Lagerung oder ein nicht ordnungsgemäßer Transport zum Labor. Zudem gebe es für die Probenentnahme keine Zeugen.
Dafür, dass der bei Anholt angespülte Wal der zuvor in der Ostsee gestrandete Buckelwal war, spricht einiges: Bei ihm wurde ein Tracker gefunden. Mit dem Gerät sollten Vital- und Positionsdaten an die Walretter übermittelt werden. Auch würden die Daten auf dem Ortungsgerät mit denen der Rettungsinitiative übereinstimmen. Der tote Meeressäuger wies zudem Verletzungen und Wunden auf, die zuvor bei dem Wal in der Ostsee zu sehen gewesen waren.
Offene Fragen und Ungereimtheiten
Offen bleiben die Fragen, warum der Tracker bei der Suche nach dem Gerät auf Anholt erst im zweiten Anlauf gefunden wurde und wie es passieren konnte, dass man erst von einem männlichen Tier ausging, obwohl die Dänen es als Weibchen identifizierten.
Der Wal tauchte Anfang März zum ersten Mal in der Ostsee auf. Am 23. März strandete er vor Timmendorfer Strand, wo Bagger ihn freilegten. Das Meereslebewesen schwamm kurzzeitig in die richtige Richtung, drehte allerdings nach Wismar ab, strandete dort kurzzeitig und schließlich am 1. April in der Bucht der Insel Poel. Da es nicht gelang, den Wal zu retten, wollte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ihn in Ruhe lassen.
Private Rettungsinitiative und trauriges Ende
Daraufhin formierte sich eine private Rettungsinitiative um Media-Markt-Mitgründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Am 28. April bugsierte sie den Wal in eine Transport-Barge und zog ihn in die Nordsee, wo er am 2. Mai freigelassen wurde. Der Tracker lieferte angeblich eine Zeit lang Vitalwerte, aber keine Standortdaten. Mitte Mai wurde der Kadaver vor Anholt angespült. Die Dänen zogen ihn an den Strand und obduzierten ihn dort. Danach wurde er zerlegt und unter anderem zu Biodiesel verarbeitet. Die Walknochen werden zukünftig wohl in einigen Museen ausgestellt.



