Der echte Scrooge: John Elwes war noch geiziger als Dickens' Figur
Echter Scrooge: John Elwes war noch geiziger als die Figur

Der wahre Scrooge: John Elwes‘ extremes Sparverhalten

Die weltweit bekannteste Weihnachtsgeschichte, Charles Dickens‘ Erzählung über den hartherzigen Geizhals Ebenezer Scrooge, hat ein reales Vorbild: den Londoner Geschäftsmann und Millionär John Elwes (1714–1789). Elwes war berühmt und berüchtigt für seinen extremen Geiz, der den fiktiven Scrooge sogar noch übertraf.

Elwes‘ Häuser waren Ruinen, weil er nie Reparaturen durchführen ließ. Regen drang durch das Dach, der Wind pfiff durch kaputte Fenster. Ein Feuer brannte nur in der Küche, meist nur ein Holzscheit. Zu essen gab es lediglich Reste, teilweise Wochen alt. Einmal soll er einer Ratte den Kadaver eines ertrunkenen Moorhuhns entrissen haben. Schon seine reiche Mutter war verhungert – aus purer Sparsamkeit.

Lumpenkleidung und gesparte Reisekosten

Der Millionär trug Lumpen, seine Perücke hatte er in einer Hecke gefunden. Passanten hielten ihn für einen Bettler und gaben ihm Almosen. Auf Reisen bemühte er sich, nur auf Gras zu reiten, um die Hufeisen zu schonen. Zwischendurch ließ er sein abgemagertes Pferd grasen, um Stroh zu Hause zu sparen. Bei längeren Reisen übernachtete er unter Hecken, um Gasthäuser zu vermeiden. Selbst bei strömendem Regen war ihm eine Kutsche zu teuer; er lief zu Fuß und legte sich mit nasser Kleidung ins Bett, ohne zu heizen.

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Als er Mitglied des Parlaments wurde, wohnte er in seinen leerstehenden Londoner Häusern. Einmal versäumte er ein Treffen mit seinem Neffen, der ihn schwer krank und fiebrig im Bett fand. Ein Arzt rettete ihn knapp. Seine langjährige Haushälterin jedoch wurde Tage später tot im Haus entdeckt.

Extreme Sparmaßnahmen bis zum Tod

Legendär ist die Anekdote, dass Elwes sich beide Beine verletzte und den Arzt nur eines behandeln ließ – um die Hälfte der Arztkosten zu sparen. Auf dem Sterbebett musste der Notar seinen letzten Willen im Schein des Kaminfeuers aufsetzen, weil Elwes zu geizig für eine Kerze war. Sein Arzt meinte, er hätte noch mindestens zehn Jahre leben können, wenn er nicht seine Gesundheit durch den Geiz ruiniert hätte.

Im Gegensatz zu Dickens‘ Scrooge schaffte es Elwes nie, sich von seinem Geiz zu lösen. Einen guten Wesenszug hatte er jedoch: Lieh er jemandem Geld, forderte er es nie zurück. John Elwes hinterließ seinen beiden unehelichen Söhnen und seinem Neffen ein gigantisches Vermögen von 800.000 Pfund (nach heutiger Kaufkraft 135 Millionen Euro), während er selbst mit 50 Pfund pro Jahr (heute rund 8.500 Euro) auskam.

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