Der Eichenprozessionsspinner hat Dänemark erreicht und sorgt dort für erhebliche Unruhe. Die giftigen Raupen, die in Deutschland bereits seit Jahren als Plage bekannt sind, wurden nun erstmals auch in der Hauptstadt Kopenhagen entdeckt. In Odense, der drittgrößten Stadt des Landes, ist die Lage besonders dramatisch: Dort sind praktisch alle Eichen befallen. Die dänischen Medien bezeichnen die Raupen als „Höllenraupen“, und die Bevölkerung ist verunsichert.
Ausbreitung von Odense nach Kopenhagen
Die Plage begann vor zwei Jahren in Odense auf der Insel Fünen, etwa 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ein Gemeindemitarbeiter wurde beauftragt, die Nester zu kartieren und fand im Sommer 2024 mehrere Hundert Nester. Es war der erste Nachweis einer lebenden Population in Dänemark. Seit dem Frühjahr 2025 wurden landesweit Nester gefunden, und in dieser Woche erstmals in Kopenhagen. Das Thema dominiert seit Tagen die Medien.
Die liberale Abgeordnete Amanda Heitmann (Venstre) forderte auf Facebook drastische Maßnahmen: Sie schlug vor, sämtliche Eichenbäume in Odense zu fällen und durch andere Baumarten zu ersetzen. Dies sei gut für die Artenvielfalt und die menschliche Sicherheit, behauptete sie. Biologen widersprechen jedoch vehement. Hans Peter Ravn, emeritierter Professor an der Universität Kopenhagen, bezeichnete den Vorschlag als „dumm“. Die Eiche biete unzähligen Insekten Lebensraum und sei ökologisch wertvoll. Das Fällen der Bäume löse zwar das Problem der Nester, schade aber der Biodiversität.
Bekämpfung mit Spezialmitteln und natürlichen Feinden
Dänemark geht ähnlich vor wie Berlin: Die Nester werden mit einem Spezialmittel besprüht, das die giftigen Nesselhaare verklebt, und anschließend entfernt. Odense gilt in den Medien als „Epizentrum“ der Plage. Eine andere Gemeinde hat angekündigt, kein Holz und keine Eichen mehr aus Fünen zu kaufen, um eine Verschleppung zu verhindern. In der Ortschaft Munkebo ist für Donnerstag eine Informationsveranstaltung geplant. Bürgermeister Michael Nielsen sagte dem dänischen Rundfunk: „Odense ist das Auge des Hurrikans, und wir befinden uns direkt im Gefolge.“
Neben den offiziellen Maßnahmen kursieren in dänischen Medien Alltagstipps. Die Biologin Simone Søegaard empfiehlt im Fernsehsender TV2, im heimischen Garten Pflanzen zu setzen, die Schlupfwespen anziehen. Diese Wespen sind natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners: Sie legen ihre Eier in die Raupen und Puppen, und die schlüpfenden Larven fressen den Wirt von innen auf. Eine weitere Empfehlung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks DR ist der Bau von Meisen-Nistkästen. „Eine Meisenfamilie ist äußerst effizient, weil sie einige sehr hungrige Jungvögel hat“, sagte Biologin Stine Rasmussen dem DR. Die Vögel fressen die Raupen und helfen so, die Plage einzudämmen.
Politische Reaktionen und Kritik
Die dänische Regierung will das Problem erst nach der Sommerpause im Parlament intensiv beraten. Der zuständige Minister für Natur und Tierschutz erklärte in einer parlamentarischen Antwort, Ziel sei es, über den Stand der Arbeit der Behörden zu informieren und eine breite Grundlage für die langfristige Bewältigung zu schaffen. Bis dahin soll die Agentur für Grünlandsanierung und Gewässerschutz als „vorübergehende Kontaktstelle“ für die Gemeinden dienen.
Die rechte Partei Danmarksdemokraterne kritisierte die Reaktion der Regierung als unzureichend. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es: „Ich weiß nicht, worauf der Minister wartet. Diese Raupe breitet sich gerade an allen möglichen Orten im Land aus, und währenddessen ist der zuständige Minister damit beschäftigt, Sommerferien zu machen. Es ist ja nicht so, dass die Raupe aus der Hölle im Juli Urlaub macht.“
Die Lage bleibt angespannt. Die Dänen hoffen auf wirksame Maßnahmen, während die „Höllenraupen“ weiterwandern.



