Nach der neuen Eskalation im Irankrieg ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus fast vollständig zum Erliegen gekommen. Berichten zufolge fuhren nur zwei Tanker in den frühen Morgenstunden durch die Meerenge. Dabei handelt es sich um den unter US-Sanktionen stehenden iranischen Supertanker „Berg 1“ und den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Chemikalientanker „Well Sail“.
Risikowahrnehmung der Reedereien
„Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist im Wesentlichen zum Erliegen gekommen, was im Moment mehr über die Risikowahrnehmung aussagt als jede Erklärung aus Washington oder Teheran“, sagte Jorge Leon vom Beratungsunternehmen Rystad Energy der Nachrichtenagentur Reuters. Die Reedereien zeigen sich zunehmend besorgt über die Sicherheit ihrer Schiffe in der Region.
Militärische Eskalation und Auswirkungen auf den Waffenstillstand
Am Mittwoch hatte das US-Militär Dutzende Ziele in Iran angegriffen. Als Reaktion attackierten iranische Streitkräfte am Donnerstag US-Militärstützpunkte in benachbarten Golfstaaten. Die neue Eskalation gefährdet den vor drei Wochen vereinbarten Waffenstillstand. An den Börsen gaben die Preise der Rohölsorten Brent und WTI dennoch leicht nach. Beide Sorten verbilligten sich um ein halbes Prozent auf 77,53 beziehungsweise 73,15 Dollar je Barrel. Hintergrund ist, dass der wieder aufgeflammte Krieg die Preise bereits seit Dienstag um rund acht Prozent nach oben getrieben hatte.
Immer mehr Schiffe ohne Transponder unterwegs
Etwa ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen wurde vor dem Ausbruch des offenen Konflikts durch die Straße von Hormus transportiert. In den vergangenen zwei Wochen war der Verkehr zwar wieder auf durchschnittlich 40 Schiffe pro Tag gestiegen, lag damit jedoch immer noch weit unter dem Vorkriegsniveau von täglich 125 bis 140 Schiffen. Um nicht geortet zu werden, schalten immer mehr Schiffe ihre Transponder zur Positionsbestimmung (AIS) aus. Einige Kriegsversicherer raten den Reedereien angesichts der Risiken, vorübergehend nicht durch die Meerenge zu fahren.
Fragile Aussichten für die Wiedereröffnung
„Die Aussichten auf eine dauerhafte Wiedereröffnung von Hormus erscheinen nach der jüngsten Eskalation fragiler“, heißt es in einem Bericht des Schiffsmaklers Clarksons. Der katarische Flüssiggastanker „Al Rekayyat“ gilt als mahnendes Beispiel. Er liegt nach einem Beschuss am Dienstagabend weiterhin manövrierunfähig vor der omanischen Küste. Ein Brand im Maschinenraum konnte gelöscht werden, die Ladung gilt als sicher.



