Ein Jahr ohne Laura Dahlmeier: Maren Hammerschmidt erinnert sich
Ein Jahr ohne Laura Dahlmeier: Hammerschmidts Erinnerungen

Maren Hammerschmidt hätte mit Laura Dahlmeier im vergangenen September glücklich lachend am Gipfelkreuz der Zugspitze stehen sollen. Stattdessen bestieg Hammerschmidt Anfang Juli 2026 Deutschlands höchsten Berg allein. Ihre engste Biathlon-Freundin fehlte. „Es wäre richtig schön gewesen, es mit ihr zusammen zu machen. Sie hätte mir in ihrer Heimat jedes Fleckchen zeigen können“, sagte Hammerschmidt der Deutschen Presse-Agentur.

Das letzte Telefonat

Vor etwas mehr als einem Jahr sprachen die beiden Freundinnen am Telefon über ihre gemeinsame Tour. Dahlmeier erzählte dabei auch von ihrer anstehenden Reise nach Pakistan, wo sie ihren Sehnsuchtsberg – den Laila Peak – besteigen wollte. Es war das letzte Gespräch der beiden. „Ich habe das noch sehr bildlich vor Augen, weil ich bei mir zu Hause abends durch den Garten gegangen bin und gegossen habe“, erinnerte sich Hammerschmidt. Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall Dahlmeiers ist der immense Verlust immer noch präsent.

„Laura war eine unzerstörbare Naturgewalt“

Die Trauer komme nach wie vor in Wellen, auch wenn es langsam besser werde, erzählte die Ex-Sportlerin, die mittlerweile Pressesprecherin des deutschen Biathlon-Teams ist. Anfangs frisst sie alles in sich rein, gemeinsame Bilder und Videos kann sie sich nicht anschauen. Über ihre enge Freundin spricht sie kaum. „Das hat mir in meinem Trauerprozess natürlich nicht geholfen. Weil es einfach unbegreiflich für mich war. Laura war für mich eine Naturgewalt, die unzerstörbar war. Ich habe immer gedacht, ihr passiert nie irgendwas.“

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Am 28. Juli 2025 geschah es dann doch. Dahlmeier bestieg mit einer Seilpartnerin den Laila Peak, den sie eigentlich mit ihrem im Januar 2022 bei einem Lawinenunglück gestorbenen Ex-Freund (29) hatte erklimmen wollen. Die siebenmalige Weltmeisterin (31) und ausgebildete Bergführerin brach bei schwierigen Wetterbedingungen den Gipfelsturm ab, wurde dann aber beim Abstieg auf 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag am Kopf getroffen. Sie war mutmaßlich sofort tot. Ihre Kletterpartnerin überlebte.

„Der schönste Friedhof für Laura“

Dahlmeier verblieb am Berg. „Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie“, sagte Mutter Susi Dahlmeier. Hammerschmidt konnte sich anfangs damit nicht anfreunden, denkt aber mittlerweile ähnlich: Wo, wenn nicht in den Bergen, hätte Dahlmeier lieber ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Dahlmeier hatte als Extremsportlerin alles für den Fall der Fälle vorbereitet, ihr Testament gemacht, die Beerdigung geplant. Über einen möglichen Tod auf den teils hochgefährlichen Bergtouren redeten die Freundinnen dennoch nie. „Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre“, sagte Hammerschmidt.

Hammerschmidts viele offene Fragen

Nach der Trauerfeier am 11. August wurde Hammerschmidt krank, Körper und Psyche streikten als Reaktion auf das Unfassbare. Dazu kamen Gedanken, zu viele Sachen im Sog des Alltags aufgeschoben zu haben. „Das hat mich sehr beschäftigt. Dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns öfter zu sehen“, erzählte Hammerschmidt. „Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte.“ Aufschieben will sie nun nicht mehr so viel. Es klappt nicht immer. „Aber ich habe es des Öfteren im Kopf und wenn ich Sachen mache, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, denke ich tatsächlich oft: Das hätte Laura gefallen.“

Die enge Freundschaft begann 2015

Die enge Freundschaft begann im Dezember 2015 beim Weltcup in Hochfilzen. Sie wurden zufällig Zimmerkolleginnen, weil „wir quasi übrig geblieben sind“, erinnerte sich die heute 36-Jährige. „Wir haben viel gelacht, uns fast jeden Tag gefoppt, hatten einfach unheimlich viel Spaß zusammen.“ Die knapp vier Jahre jüngere Dahlmeier wurde der alles überragende Star des Teams. „Das hat sie aber nie raushängen lassen, das habe ich an ihr immer sehr geschätzt. Sie war einfach die Beste.“ Auch über die ernsten Seiten des Lebens redeten sie. „Laura stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich sie natürlich auch egoistisch ihre Ziele verfolgt hat.“

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Ein Ritual lebt weiter

Von Dahlmeier, die dem Buddhismus sehr zugeneigt war und wie ihre Mutter spirituell, übernahm Hammerschmidt ein Ritual, das sie bis heute pflegt. „Laura ist immer mit einem Palo Santo („heiliges Holz“) gereist“, erinnerte sich Hammerschmidt. „Und manchmal hat sie bei uns im Zimmer auch weißen Salbei angezündet, um die schlechten Geister zu vertreiben.“ Zündet Hammerschmidt jetzt ein Palo Santo an, erinnert sie der Geruch an ihre Freundin. Dahlmeier, mit der sie unter anderem WM-Staffel-Gold gewann, habe „an diesen inneren Frieden geglaubt“ und „sich dafür Zeit genommen“.

Genau wie sie ihre Bergtouren brauchte, auch während der aktiven Karriere. „Das war für sie Erholung. Das fand ich immer sehr beeindruckend“, sagte Hammerschmidt. Als kurz vor den Olympischen Spielen 2018 ein enger Freund beim Klettern starb, fragte sich Dahlmeier, ob sie weiter ihrer Bergleidenschaft nachgehen sollte. „Aber sie hat gesagt, 'das wäre doch nicht mehr ich'. Und ich habe gesagt: 'Ja, das ist einfach dieses absolute Argument dagegen'.“

Eine besondere Kette als Erinnerung

Was Hammerschmidt bleibt, sind die vielen gemeinsamen Erlebnisse und ein ganz besonderes Erinnerungsstück. Susi Dahlmeier, Goldschmiedin, schenkte ihr eine Kette, die sie einst für ihre Tochter gemacht hatte. „Diese Kette hat auch Laura viel bedeutet“, so Hammerschmidt. Wird ihr was zu viel, greift sie schon mal an den kleinen Buddha an dem für sie so kostbaren Schmuckstück: „Das gibt mir dann ein bisschen Ruhe und Stärke.“

Wiedersehen im Glauben

Dass der Tod nicht das Ende ist, davon war Laura Dahlmeier überzeugt. „Laura glaubte sehr stark an eine innere Kraft und dass man auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sein kann“, sagte Hammerschmidt. Auch sie glaubt, dass sie ihre Freundin wiedersehen wird: „Ich kann nicht sagen, wo man dann sein wird. Aber ich glaube nicht, dass das das Ende ist. Wir müssen ja noch einige Gespräche führen.“