Emetophobie: Wenn die Angst vor Erbrechen das Leben bestimmt
Emetophobie: Angst vor Erbrechen bestimmt Leben

Emetophobie: Wenn die Angst vor Erbrechen das Leben bestimmt

Ein Montagmorgen in Mainz. Für Daniel Stegmann (37) kann bereits der Weg zur Arbeit zur Qual werden – besonders wenn er Erbrochenes auf dem Gehweg entdeckt. „Das löst bei mir ein großes Beklemmungsgefühl aus“, berichtet der promovierte Kommunikationswissenschaftler. „In schlechten Phasen kann das sogar eine Panikattacke auslösen.“

Was Daniel beschreibt, hat einen medizinischen Namen: Emetophobie. Dabei handelt es sich um eine ausgeprägte, krankhafte Angst vor dem Erbrechen – sei es das eigene oder das anderer Menschen, manchmal auch beides. Nadine Dapp, Leitende Psychologin in der Schön Klinik Bad Bramstedt, erklärt: „Studien zufolge sind etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung betroffen, doch die Dunkelziffer ist vermutlich höher, da die Störung oft unerkannt bleibt oder fehldiagnostiziert wird – beispielsweise als Essstörung.“

Wie sich die Angst äußert

Daniel leidet seit seiner Kindheit unter Emetophobie. Die Angst vor dem Erbrechen schränkte seinen Alltag massiv ein. „Ich hatte permanente Angst, dass mir übel wird“, erinnert er sich. Diese ständige Anspannung führte dazu, dass er bestimmte Situationen mied – etwa öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants oder soziale Treffen mit Alkoholkonsum. Die Phobie beeinflusste nicht nur sein Wohlbefinden, sondern auch seine berufliche und private Entwicklung.

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Therapie als Ausweg

Der Durchbruch kam für Daniel durch eine spezielle Therapie. In der Schön Klinik Bad Bramstedt lernte er, mit seiner Angst umzugehen. Die Behandlung umfasste kognitive Verhaltenstherapie und Expositionstherapie, bei der er sich schrittweise angstauslösenden Situationen aussetzte. „Es war ein langer Weg, aber heute kann ich wieder fast normal leben“, sagt Daniel. Er rät Betroffenen, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen und sich nicht zu schämen.

Was Experten raten

Psychologin Nadine Dapp empfiehlt, die Angststörung ernst zu nehmen und gezielt zu behandeln. „Emetophobie ist gut therapierbar, vor allem mit kognitiver Verhaltenstherapie“, betont sie. Betroffene sollten sich an spezialisierte Therapeuten wenden, die Erfahrung mit Angststörungen haben. Auch Selbsthilfegruppen können unterstützen. Wichtig sei, die Isolation zu durchbrechen und aktiv gegen die Angst vorzugehen.

Leben mit Emetophobie

Daniel hat gelernt, mit seiner Phobie umzugehen. Er vermeidet zwar immer noch bestimmte Situationen, aber die Panikattacken sind seltener geworden. „Ich akzeptiere, dass die Angst nie ganz verschwinden wird, aber sie kontrolliert mich nicht mehr“, sagt er. Sein Tipp an andere Betroffene: „Sucht euch Hilfe, ihr seid nicht allein.“ Die Geschichte von Daniel zeigt, dass Emetophobie behandelbar ist und ein erfülltes Leben trotz der Angst möglich ist.

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