Frauentreff „Olga“ in Berlin-Mitte vor dem Aus: Frauen droht Obdachlosigkeit
Frauentreff „Olga“ vor dem Aus: Frauen droht Obdachlosigkeit

Der Frauentreff „Olga“ an der Berliner Kurfürstenstraße 40 steht vor dem Aus. Der Vermieter will den Mietvertrag nach über 20 Jahren nicht verlängern. Auch das „Café Neustart“ im selben Gebäude, das Prostituierten zum Ausstieg verhilft, wird Ende September 2026 schließen. Die Drogennothilfe Berlin schildert die katastrophale Lage der betroffenen Frauen und warnt vor schwerwiegenden Folgen.

Hilfseinrichtungen am Straßenstrich fallen weg

„Olga“ ist eine vom Berliner Senat geförderte zentrale Anlaufstelle für Drogen konsumierende Frauen, Obdachlose und Sexarbeiterinnen. Täglich werden dort zwischen 50 und 70 Mahlzeiten ausgegeben. Angelika Müller, Krankenschwester beim Drogennotdienst Berlin, arbeitet seit fast 30 Jahren im „Olga“ und kennt die Situation der Frauen genau. Sie erklärt: „Ein großer Teil der Frauen ist obdach- oder wohnungslos und lebt mit einer Suchterkrankung. Etwa 70 Prozent der Frauen kommen aus Osteuropa – insbesondere aus Bulgarien, Ungarn und Rumänien. Die Lage der Frauen ist katastrophal. Ich mache mir wirklich richtig große Sorgen, was passiert, wenn unsere Hilfe wegbricht.“

Hintergründe der Notlage

Viele Frauen haben in ihren Herkunftsfamilien Gewalt oder sexuelle Übergriffe erlebt. Sie wurden unter falschen Versprechungen nach Berlin gelockt, etwa als Kellnerin oder zur Reinigung. „Bei einem Teil werden dann die Ausweisdokumente einbehalten oder vernichtet, sodass sie nicht mehr nach Hause können“, so Müller. Das klassische Bild des Zuhälters habe sich verändert: „Die Frauen bezeichnen diese Männer, die ihnen das Geld abknöpfen, als Freund oder Verwandten. Oft können sie sich nicht einmal selbst etwas zu essen kaufen, weil diese Männer das Geld gleich wieder abholen.“

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Neben der Essensausgabe versorgt „Olga“ die Frauen mit Kondomen und Hygieneartikeln. Viele haben keine Krankenversicherung und können keine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Müller befürchtet: „Die Verelendung wird zunehmen und sich beschleunigen. Wir befürchten, dass ohne diese Angebote Frauen auf der Straße sterben.“

Veränderungen im Straßenstrich

Thomas Luthmann vom Drogennotdienst Berlin beobachtet eine Veränderung der Drogenszene: „Substanzen wie Monkey Dust oder Crystal Meth haben eine ganz andere Wirkung. Heroin wirkt stark dämpfend, während stimulierende Substanzen wie Crystal Meth aufputschend wirken können. Außerdem kann es durch die Substanzen zu Psychosen kommen.“ Früher sei der Straßenstrich klar unterteilt gewesen, heute dominierten nach Herkunft organisierte Gruppen. Die Demonstration gegen den Straßenstrich am Donnerstag wertet Luthmann als mögliches Wahlkampfthema.

Ausstiegsmöglichkeiten und Forderungen

Der Drogennotdienst bietet das Projekt „Umstiegswohnen“ für Frauen an, die ihr Leben neu ausrichten wollen. Bislang stehen nur zwei Plätze zur Verfügung. Luthmann hofft auf eine Erweiterung des Angebots. In Berlin sind derzeit 2224 Prostituierte amtlich gemeldet. Die Schließung von „Olga“ und „Café Neustart“ könnte die ohnehin prekäre Situation der Frauen weiter verschärfen.

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