Es gibt Orte, die nach Sommer klingen, riechen und schmecken – das Freibad gehört unbedingt dazu. Zwischen Beckenrand, Liegewiese und Kiosk entsteht eine einzigartige Kulisse aus Geräuschen, Gerüchen und Gefühlen. Ein Streifzug mit allen Sinnen offenbart die Besonderheiten dieser sommerlichen Institution.
Hören: Die akustische Kulisse des Freibads
Schon von Weitem dringen Kinderkreischen und Bademeisterpfeifen ungehindert in die Nachbarschaft und wecken bei Passanten Erinnerungen und Sehnsüchte. Die Rufe und Gespräche der Badegäste bleiben dabei unreguliert, doch bei den Pfeifentönen der Aufsicht ist es anders: In vielen Bädern gibt es festgelegte Signale oder Abläufe, damit Kolleginnen und Kollegen sofort wissen, ob es um Ordnung, eine Ansage oder einen Notfall geht. Die Trillerpfeife ist im Lärm schneller als jede Durchsage: kurz, eindeutig, über Distanz verständlich.
Auch die Lautsprecherdurchsagen gehören zur Sommerkulisse: Mal hat ein kleiner Junge seine Mutter verloren, mal sucht ein Vater den Nachwuchs im Gewühl. Oder ein Auto versperrt die Feuerwehrzufahrt. Irgendwas gibt es immer zu melden.
Riechen: Der unverwechselbare Duftmix
Frisch gemähtes Gras, Sonnencreme, Pommesfett, feuchte Handtücher – die Mischung ist einzigartig. Zu jedem Schwimmbad gehört ein Hauch von Chlorgeruch. Wenn es mehr als ein Hauch ist, ist Vorsicht geboten: Chlor im Wasser (Hypochlorit) riecht weniger stark, als man denkt. Der typische Schwimmbadgeruch entsteht meist durch Chloramine – Stoffe, die sich bilden, wenn Chlor etwa mit Schweiß, Urin und Hautschuppen reagiert. Darum kann es gerade dann intensiver riechen, wenn das Wasser stark belastet ist. Das Umweltbundesamt erinnert deshalb auf seiner Website daran, sich gut abzuduschen, bevor man ins Becken springt.
Schmecken: Pommes und Eis als Klassiker
Pommes – mit Mayo oder Ketchup? Oder beides? Die Variante, die farblich an die Sperrung eines Bahnübergangs erinnert, wird vor allem im Westen der Republik gerne „Schranke“ genannt. Die frittierten Kartoffelstäbchen sind im Freibad selten besonders fein, oft ein bisschen zu salzig und werden fast immer in dieser typischen Pappschale serviert – und genau so muss es sein. Freibad-Pommes schmecken hier besser als fast alles andere: heiß, knusprig und irgendwo zwischen Nostalgie und Ferienfeeling.
Lieber Abkühlung? Dann also Eis, aber in der Waffel oder im Becher? Weil es einfacher in der Vorratshaltung wie dem Service ist, kommen an den Freibadkiosken vielfach Fertigprodukte zum Einsatz – Eis am Stiel ist hier der Klassiker. Schnell sein muss man beim Schlecken – sonst landet angesichts der Sommerhitze mehr auf dem Boden als im Bauch.
Fühlen: Von heißen Fliesen zu kühlem Wasser
Schon der Weg von der Umkleide zur Liegewiese wird zur Herausforderung: Barfuß lassen sich die von der Sonne erhitzten Betonfliesen kaum queren. Aber dann: der Rasen kitzelt, der erste Wasserkontakt beim Duschen – ein Wechselbad der Gefühle für die Füße. Und wenn es dann ins Becken geht: Eiskalt! Egal, ob das Badewasser nur von der Sonne gewärmt oder zusätzlich auf 25 Grad geheizt wird – erstmal scheint es die meisten Menschen Überwindung zu kosten, sich mit dem ganzen Körper hineinzubegeben. Aber der Körper gewöhnt sich an Temperaturen: Was beim Reingehen eisig war, wird nach ein paar Minuten normal.
Umgekehrt fühlt es sich nach einer Pause in der Sonne beim erneuten Eintauchen oft wieder kälter an – obwohl das Wasser gleich geblieben ist. Dazu kommt: Wind und Verdunstung auf nasser Haut können den Kältereiz verstärken.
Sehen: Der Dresscode im Freibad
... und gesehen werden – man zeigt sich hier schließlich in seiner ganzen Körperlichkeit. Doch Vorsicht: Wer im städtischen Freibad allzu geschniegelt auftritt, wirkt schnell, als habe er den Ort mit einem eleganten Beachclub verwechselt. Klare Regeln für einen Dresscode gibt es nicht – die Bäder haben meist eigene Hausordnungen, in denen meist von üblicher Badebekleidung die Rede ist. Das Ideal ist also gepflegte Zufälligkeit: Badesachen, die ihren Job machen; T-Shirts, die schon bessere Sommer gesehen haben, Badelatschen – und natürlich Handtücher, Picknickdecken und alles, was zum Abstecken des eigenen Reviers auf der Liegewiese dienen kann.



