Merzig – Was für eine Nervenschlacht im Tennis-Finale der Special Olympics! Louis Kleemeyer (25) und sein Bruder Ben (27) gewinnen Gold im Unified-Doppel. Im entscheidenden Tiebreak lagen sie bereits 3:8 zurück, kämpften sich aber zurück und siegten mit 12:10. „Ich kann nicht mehr“, sagt Louis nach dem Match, seufzt, lacht und lässt sich feiern.
Mehr als nur eine Goldmedaille
Doch sein größter Erfolg ist nicht die Medaille, sondern sein Einsatz für Inklusion. Vor viereinhalb Jahren gründete Kleemeyer Unique United, eine Plattform von und für Menschen mit geistiger Behinderung. Unternehmen, Verbände, Bildungsträger und Vereine können dort barrierefreie Angebote wie Jobs, Fortbildungen, Reisen und Events einstellen – vergleichbar mit einem Stepstone für Menschen mit Behinderung.
Ein Leben voller Hürden
Bei seiner Geburt gab es Komplikationen: Kleemeyer atmete zeitweise nicht und musste wiederbelebt werden. Dabei starben Nerven ab, seine Entwicklung verlief langsamer – beim Sprechen, Lernen und Bewegen. „In der Schule wurde ich gemobbt und ausgegrenzt“, erinnert er sich. Auch vor der Gründung von Unique United erlebte er Ablehnung: „Die Leute sagten: Geh in der Werkstatt arbeiten. Du verstehst nichts von Finanzen. Du kannst doch nicht gründen.“
Von der Höhle der Löwen zu den Special Olympics
Doch Kleemeyer ließ sich nicht entmutigen. Er gibt Coachings für Arbeitgeber und sensibilisiert für Inklusion. 2024 war er in der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ zu Gast, wo Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler 50.000 Euro spendeten, sodass er seine ersten Mitarbeiter einstellen konnte. Bei den Nationalen Spielen im Saarland leitete Kleemeyer das Team für Barrierefreiheit und Sprach-Services: Schilder in einfacher Sprache, Gebärdenübersetzer bei der Eröffnungsfeier und Pressekonferenzen – all das geht auf den Goldmedaillengewinner zurück.
„Alles, was ich tue, tue ich für Inklusion. Ich bin ein Bindeglied zwischen den Welten“, sagt Kleemeyer. Und ein Vorbild.



