Nach 146 Jahren: Aus für die Trabrennbahn in Bahrenfeld
Die Tribüne an der Luruper Chaussee in Bahrenfeld stammt aus den 1970er Jahren. Ende einer Ära in der Pferdesportstadt Hamburg: Am 20. Juli 1880 wurde die Trabrennbahn in Bahrenfeld eröffnet, am 20. Dezember 2026 steigt am Traditionsstandort voraussichtlich der allerletzte Renntag. Der Nutzungsvertrag für das Gelände wurde zuletzt nur noch von Jahr zu Jahr verlängert. Nun ist klar: Ende 2026 ist endgültig Schluss!
Auf dem Areal soll künftig das Großprojekt „Science City“ mit 4500 Wohnungen entstehen. 2027 beginnen die Vorarbeiten, 2028 soll als erster Schritt eine Erschließungsstraße gebaut werden. Rennbetrieb ist dann nicht mehr möglich.
„Das ist der Worst Case für uns in Bahrenfeld und den gesamten Trabrennsport“, sagt Geschäftsführer Peter Weihermüller. Der Hamburger ist in Personalunion auch Chef des Traber-Dachverbandes HTZ. Aktuell gibt es in Deutschland inklusive Bahrenfeld nur noch sieben sogenannte „A-Bahnen“. Weihermüller: „Wenn Bahrenfeld wegfällt, ist das für Besitzer, Züchter und all unsere Fans von großer Bedeutung.“ Der Sulky-Sport steckt in Deutschland seit mehr als 20 Jahren in der Krise. Trotzdem gab und gibt es im gesamten Jahr 2026 in Bahrenfeld 18 Veranstaltungen. Zu normalen Renntagen finden sich 500 bis 700 Zuschauer und Wetter ein – bei großen Rennen bis zu 2000.
Keine Vertragsverlängerung nach 146 Jahren
Seit Jahren wird in Hamburg über eine Zusammenlegung mit den Galoppern im Stadtteil Horn diskutiert. Auch der Senat und Bürgermeister Peter Tschentscher sind Befürworter einer solchen Doppelrennbahn. Doch das Projekt ging allenfalls im Schritt voran – auch, weil Galopper und Traber seit Jahren zerstritten sind. „Jetzt ist durch die Entscheidung Druck auf dem Kessel“, sagt Weihermüller. Nach Informationen der BILD laufen hinter den Kulissen Gespräche mit der Senatskanzlei. Die Interessen der Traber vertritt dabei der einflussreiche Unternehmer Günter Herz (85), auf Seiten der Galopper verhandelt Dr. Andreas Jacobs (62). Neben einem Geläuf müsste in Horn auch eine neue Tribüne mit rund 500 Plätzen gebaut werden. Vor Jahren wurden die Gesamtkosten auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Im Rahmen des Galopp-Derby-Meetings steigen in Horn am 2. Juli vier Trabrennen auf der Grasbahn. Doch für den regelmäßigen Betrieb brauchen die Traber eine Sandbahn. Fest steht jedoch schon jetzt: „Es wird keinen fließenden Übergang geben“, sagt Weihermüller traurig. „Aber wir sind als Sportart schon oft totgeschrieben worden und haben uns immer wieder neu erfunden …“
Keinen Einfluss hat die Kündigung der Traber dagegen auf die Zeltstadt vom Circus Mignon, die im Westteil des Geländes in Bahrenfeld aufgebaut wird. Denn in der Saison 2026/27 zieht die Staatsoper dort übergangsweise ein, weil im Haus am Stephansplatz umfangreiche Sanierungsarbeiten anstehen. Darum ist der Circus auch der neue Pächter des städtischen Areals – und kann seinerseits die Fläche untervermieten, etwa für Konzerte und Festivals.



