Hitzewelle in Berlin: 39,9 Grad Rekord, Bruno Mars im DFB-Trikot, Wasserwerfer im Einsatz
Hitzewelle Berlin: 39,9 Grad Rekord, Wasserwerfer, Bruno Mars

Berlin erlebt ein extremes Hitzewochenende mit einem neuen Temperaturrekord von 39,9 Grad, gemessen in Berlin-Tempelhof. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, Wasserwerfer der Polizei sorgten für Abkühlung, und Bruno Mars trat im DFB-Trikot auf. Gleichzeitig gab es mehrere Badetote und schwere Beeinträchtigungen im Zugverkehr bis nach Polen.

Rekordhitze und ihre Folgen

Am Samstag, dem 27. Juni, wurde der bisherige Berliner Hitzerekord von 38,9 Grad aus dem Jahr 2015 deutlich übertroffen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete 39,9 Grad in Berlin-Tempelhof. In Brandenburg wurden in Baruth sogar 40,8 Grad gemessen, was ebenfalls einen Rekord darstellt. Die Berliner Feuerwehr registrierte am Samstag 2055 Einsätze, rund 500 mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Der Schwerpunkt lag auf der Notfallrettung aufgrund von Kreislaufproblemen und Kollapsen. Zudem gab es mit mehr als 120 Bränden etwa doppelt so viele Feuer wie üblich.

Die Polizei setzte am Samstag und Sonntag Wasserwerfer ein, um die Bevölkerung zu kühlen. Am Samstag startete der Einsatz am Brandenburger Tor, gefolgt vom Potsdamer Platz. Die Beamten verbrauchten dabei zweimal 9000 Liter Wasser. Am Sonntag war ein Wasserwerfer am Olympiastadion im Einsatz, wo Bruno Mars ein Konzert gab. Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel dankte den Einsatzkräften, die „am Wochenende bei diesen extremen Wetterbedingungen ihren Dienst für die Sicherheit dieser Stadt leisten“. Die Besatzungen der Wasserwerfer seien extra aus dem Wochenende in den Dienst zurückgekehrt.

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Bruno Mars Konzert und weitere Veranstaltungen

Bruno Mars trat am Sonntagabend im Olympiastadion auf und wählte als Bühnenoutfit die atmungsaktive DFB-Kombi in kurz. Das Publikum fächerte sich im Takt. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) verteilte mehrere Dutzend Flaschen Sonnencreme. Die Stadionregeln wurden gelockert: Alkoholfreie Getränke in Tetrapaks, Weichplastik- oder faltbaren Flaschen durften mitgebracht werden, maximal ein Liter. Auch Hand- und Nackenventilatoren sowie Fächer waren erlaubt.

Im Club „Else“ am Treptower Park wurde trotz Hitze unter freiem Himmel gefeiert. Der Türsteher kühlte die Gäste mit feinem Wassernebel aus einer Sprühflasche. „Die Stimmung ist super“, sagte er. „Jeden, den ich reinlasse, erinnere ich, wie wichtig es ist, Wasser zu trinken. Ich bin der Papa hier und passe auf alle meine Kinder auf.“ Im Club sei Wasser heute kostenlos. Sein persönlicher Hitzetipp: ein Halstuch mit Eiswürfeln – „Lebensretter“.

Die Berliner Philharmoniker spielten ihr Saisonfinale in der Waldbühne. Chefdirigent Kirill Petrenko kündigte eine Trinkpause an, da ein Gewitter für 22 Uhr angesagt war. Die Stimmung blieb trotz Hitze gut.

Badetote und Rettungseinsätze

Am Hitze-Wochenende gab es mehrere tödliche Badeunfälle. Am Samstag wurde ein lebloser Mann im Jungfernheideteich in Charlottenburg entdeckt, Reanimationsversuche blieben erfolglos. Ein weiterer Toter wurde im Hafen Tempelhof geborgen. Am Sonntag zog die Polizei einen Jugendlichen leblos aus der Spree. Es war der dritte Badetote an diesem Wochenende.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete bis Sonntagnachmittag etwas mehr als 100 Einsätze in Berlin. „Auffällig ist, dass 76 davon medizinische Einsätze waren, also Kreislaufprobleme, Bewusstseinseintrübungen oder Schnittwunden“, sagte ein DLRG-Sprecher. Vier Personen seien vermisst worden, alle Fälle hätten sich zum Guten gewendet.

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) meldete eine deutliche Häufung von Patienten mit Hitzeerscheinungen. Besonders viele Senioren aus Pflegeheimen kamen mit Exsikkose (Austrocknung) und teilweise Nierenversagen. Eine Sprecherin des UKB erklärte: „Da das UKB Berlin auf Massenanfälle von Verletzten vorbereitet ist, hätte das Krankenhaus ausreichend Kapazitäten und Personal.“ Sie rief dazu auf, bei leichten Symptomen den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 zu kontaktieren.

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Verkehr und Infrastruktur

Die Hitze legte den polnischen Zugverkehr lahm. Diverse Hochgeschwindigkeitszüge blieben auf der Strecke liegen und blockierten die Gleise. Am Warschauer Hauptbahnhof herrschte Chaos, einzelne Züge hatten bis zu fünf Stunden Verspätung. Der Eurocity nach Berlin sollte mit fast dreistündiger Verspätung abfahren, doch die Uhrzeit verschob sich immer weiter. Hunderte Reisende mit Ziel Berlin strandeten.

Auch in Berlin fielen zahlreiche Ampeln aus – insgesamt 19 im gesamten Stadtgebiet, wie der Verkehrsservice vom RBB-Inforadio berichtete. Die Autobahn 2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt erlitt Hitzeschäden, die Anschlussstelle für Anschlussstelle gesperrt werden mussten. Ein Polizeisprecher warnte: „Die aktuellen Stau-Angaben auf Google Maps sind nicht korrekt, die Wartezeiten sind deutlich länger als dargestellt.“ Reisende sollten ausreichend Getränke, Verpflegung und Medikamente mitnehmen.

Die Berliner Sommerbäder waren überfüllt. Bereits am Samstag stoppten die Berliner Bäder-Betriebe den Ticketverkauf für die Sommerbäder; nur noch Menschen mit Zeitfenster-Ticket oder Abo wurden eingelassen. Am Sonntag bildeten sich schon früh morgens lange Schlangen vor den Bädern, etwa vor dem Prinzenbad in Kreuzberg und dem Sommerbad Mariendorf.

Lokale Auswirkungen und Reaktionen

In Neukölln waren Ventilatoren ausverkauft – im Baumarkt, Elektronikfachgeschäft und Haushaltswarenladen. Ein Rewe-Getränkemarkt in Friedrichshain blieb am Samstag wegen extremer Hitze geschlossen, da es keine Klimaanlage gab. Auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz, einem der wenigen nicht abgesagten Flohmärkte, berichtete Schallplattenhändler Martin von weniger Konkurrenz: „Es gibt heute weniger Händler. Das bedeutet für mich: weniger Konkurrenz. Deshalb komme ich gerne an heißen Tagen.“ Ein junger Verkäufer hatte gute Geschäfte mit Fächern und Handventilatoren: „Es läuft gut, aber nur, weil ich die richtige Ware habe.“

Die Malteser meldeten eine technische Störung ihrer Hausnotrufgeräte. Einige Geräte blinkten und konnten keine Verbindung zum Mobilfunkbetreiber herstellen. Kunden sollten sich mit Angehörigen in Verbindung setzen, bei akuten Beschwerden die 112 wählen.

In Berlin ist das Baden in Zierbrunnen grundsätzlich nicht erlaubt. Mehrere Bezirksämter wiesen darauf hin, dass es sich um Ordnungswidrigkeiten handelt, die in der Praxis meist mit einer mündlichen Verwarnung enden. Die Webseite kühle-orte.berlin zeigte viele kühle Orte an, doch die meisten hatten sonntags geschlossen.

Der Alexanderplatz glich einer steinigen Wüste, nur ein leichter Wind machte die Temperaturen erträglich. Zwei Touristen aus Bamberg, Manuel und Hannah, hatten sich ausgerechnet das heißeste Wochenende für einen Berlin-Ausflug ausgesucht. „Wir sind nur kurz aus der S-Bahn ausgestiegen, um uns etwas zu trinken zu holen“, sagte Manuel. „Mehr könne man heute nicht machen.“