Die extreme Hitzewelle in Deutschland hat am Freitag in Köln zu einem gefährlichen Einsatz geführt: Die Feuerwehr rettete sieben Menschen aus Dachgeschosswohnungen, die sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befanden. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, lag die Körpertemperatur der Betroffenen bei über 42 Grad Celsius. Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet erklärte, es handle sich nicht um ältere Menschen, sondern um Personen zwischen 40 und 60 Jahren. An einer der fünf Wetterstationen in Köln wurden am Freitag 37,5 Grad Celsius gemessen.
Feuerwehr in Köln im Dauereinsatz
Die Rettungskräfte wurden laut Informationen der Zeitung von Angehörigen alarmiert, nachdem die Hitzopfer kollabiert waren. Alle Einsätze fanden im Innenstadtbereich von Köln statt. Die Betroffenen werden derzeit noch in Kölner Kliniken behandelt. Für den Samstag hat die Feuerwehr zusätzliche Kräfte angefordert. „Wegen der großen Anzahl an Einsätzen werden wir heute unsere Kollegen, die eigentlich frei haben, wieder in den Dienst holen“, sagte Laschet.
Rekordtemperaturen in Deutschland
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am Freitag mit 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur. Damit wurde der bisherige Rekord von 41,2 Grad aus dem Jahr 2019 übertroffen. Bereits am Vormittag des Samstags wurden 36,3 Grad in Röllbach (Unterfranken) gemessen. Der DWD warnt vor einer „extremen Wärmebelastung“, insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten wie Berlin. Für Sonntag werden in der Lausitz bis zu 42 Grad erwartet.
Gletscherschmelze in den Alpen
Die Hitzewelle hat auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Gletscher in den Alpen. Der Schweizer Gletscher-Forscher Matthias Huss rechnet mit einem „sehr starken Eisverlust“ in diesem Jahr. Bereits am 29. Juni werden die winterlichen Schneereserven der Gletscher voraussichtlich aufgebraucht sein, was zu einem frühzeitigen Masseverlust führt. Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessdienstes Glamos, führt dies auf die aktuelle Hitzewelle, die Hitzewelle im Mai und den schneearmen Winter zurück. „Wir beobachten enorme Abtragungs- und Schmelzraten von Eis und Schnee im gesamten Alpenraum“, sagte Huss. Die Schmelze setze etwa drei Monate früher ein, als für die Gletscher „gesund“ wäre.
Patientenschützer fordern Hitzeschutz in Pflegeheimen
Angesichts der Hitze hat die Stiftung Patientenschutz die Politik zu mehr Investitionen in Pflegeheimen aufgefordert. „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, kritisierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Bestandsbauten müssten endlich den klimatischen Bedingungen angepasst werden. Bei Neubauten dürfe es nicht wärmer als 25 Grad in den Räumen werden, forderte er.
Deutsche Bahn rät von Reisen ab
Die Deutsche Bahn rät wegen der Hitze von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen“, heißt es in einer Mitteilung. Der DWD warnt zudem vor Gewittern und Starkregen.
Hausärzte werfen Bundesregierung Versagen vor
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. „Bis heute ist de facto nichts passiert“, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. Die Politik müsse endlich handeln, statt sich auf Absichtserklärungen zu beschränken. Eine strukturierte Beratung in Hausarztpraxen und Pflegeheimen sei unverzichtbar.
Umweltbundesamt fordert Hitzeaktionspläne
Das Umweltbundesamt (UBA) fordert von den Städten Hitzeaktionspläne. „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner. Kommunen könnten sofort Trinkwasser bereitstellen, kühle Orte ausweisen und Bibliotheken als Rückzugsorte öffnen.
Wassersparen und Verbote
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ruft die Bürger zum Wassersparen auf. Hauptgeschäftsführer André Berghegger appellierte an den gesunden Menschenverstand, sparsam mit Wasser umzugehen. Notfalls müssten Behörden Verbote aussprechen. Zugleich beklagte er fehlende Mittel für Hitzeschutz in den Kommunen.
Weitere Folgen der Hitzewelle
In Dormagen (Nordrhein-Westfalen) mussten zahlreiche Bewohner eines Seniorenheims wegen gefährlicher Hitzeentwicklung aus dem Gebäude gebracht werden. In der Nacht war ein Bewohner gestorben; ob die Hitze ursächlich war, steht noch nicht fest. In der Schweiz wurde das Atomkraftwerk Beznau wegen der Hitze heruntergefahren, um einen weiteren Temperaturanstieg der Aare zu verhindern. Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter der Hamburger Halbmarathon und sämtliche Fußballspiele des Württembergischen Fußballverbands. Der Deutsche Tierschutzbund forderte einen befristeten Stopp von Tiertransporten.
Klimawandel als Treiber
Forscher der Organisation World Weather Attribution betonen, dass die aktuelle Hitzewelle ohne den Klimawandel rund 3,5 Grad kühler wäre. Die Tageshöchst- und Nachttemperaturen wären vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“ gewesen. Der Klimawandel sei der maßgebliche Treiber hinter den rekordverdächtigen Temperaturen.



