Die Berliner Rapperin Ikkimel war am Montagmorgen zu Gast im ZDF-Morgenmagazin und lieferte einen Auftritt ab, der zwischen grotesk und amüsant schwankte. Moderator Andreas Wunn stellte sie als eine der „umstrittensten Stimmen in der deutschen Rap-Szene“ vor. Im Moma-Café trug sie ihren Track „Fußballmänner“ vor, der für eine Stimmung sorgte, die man als Mischung aus peinlicher Berührtheit und perplexer Faszination beschreiben könnte. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko machte diesen ungewöhnlichen Programmpunkt möglich.
Zwei Welten prallen aufeinander
Wer in der Redaktion die Idee hatte, Ikkimel einzuladen, bleibt wohl ein Geheimnis. Die Person dürfte jedoch schwer mit einem Grinsen zu kämpfen gehabt haben. In dem knapp dreiminütigen Auftritt trafen zwei grundverschiedene Welten aufeinander: Das bürgerliche Fernsehgarten-Milieu traf auf die splash!-Crowd, Kaffee und Kuchen auf bauchfreie Mode und sexuelle Selbstbestimmung. Die Moderatoren Wunn und Philip Wortmann bemühten sich redlich, ihrer Zielgruppe eine Einordnung zu geben. Ikkimel stehe für „explizit provokative Texte“ (Wunn), werde als „große Feministin“ gefeiert (Wortmann) und ihr werde von einigen „vulgärer Männerhass“ unterstellt. Also: „Bitte entspannt bleiben“ (Wunn), liebe Männer, und „fest anschnallen“.
Der Song: Satire auf Rollenbilder
Der Song handelt weniger von fußballschauenden Männern („alles Penner“) als davon, diese satirisch zu austauschbaren Lustobjekten zu degradieren. Ikkimel dreht den Spieß um: Statt passives Anhängsel vom Typ „Spielerfrau“ zu sein, ist sie die dominante Jägerin, „schlau und wunderschön“, „reich und dünn“, auf der Suche nach dem Nächsten. Sie bestimmt prollig die Richtung; wer nicht folgt, bekommt den „Laufpass“. Selbst nach „einer schönen Nacht“ wird der Typ „ein Closed Case“. Fall abgeschlossen, Mama – so nennen die Fans ihr Idol – zieht weiter und kennt ohnehin „die ganze Mannschaft“. Dazu räkelt sich Ikkimel knapp bekleidet auf der Bühne und lässt zu Atzen-Techno-Beats die Hüften kreisen. Die Kamera zeigt abwechselnd die Rapperin, die zwischen den Textzeilen kaum aus dem Kichern herauskommt, jüngere Menschen im Publikum, die Fans sein könnten, und ältere Herrschaften, die jetzt stolz ihren Enkelinnen erzählen können, einmal live dabeigewesen zu sein.
Moderatoren zwischen Pflicht und Kür
Dazwischen immer wieder das Duo Wunn und Wortmann, das auf seinem Sofa so wirkt, als würde es innerlich die Sekunden zählen und nach der Sendung erst einmal Urlaub buchen, um entsetzte Zuschauerpost nicht beantworten zu müssen. Mit einem triumphierenden „Guten Morgen, Moma!“ und verhaltenem Applaus endet der Auftritt fast so schnell, wie er begonnen hat. So richtig sprang der Funke nicht über; selbst die Jüngeren im Publikum schienen leicht überfordert zu sein. Wunn, dem wohl eingefallen war, dass er seine Urlaubstage bereits verplant hat, schickt schnell noch die Bitte hinterher, nun „nicht beleidigt zu sein“, das sei „Kunst und Provokation“ und treffe gerade „so richtig den Nerv bei der Gen Z“. Schnell weiter zur nächsten Einspielung – aber: Ikkimel darf später noch einmal auftreten.
Systemkritik statt Männerhass
Diesmal kommt ein 30-Sekünder vorab, der der ZDF-Zielgruppe eintrichtert, wie erfolgreich Melina Gaby Strauss – so heißt die 29-Jährige aus Berlin-Tempelhof – gerade die Charts stürmt. Die Rapperin kommt darin selbst zu Wort und darf den „Männerhass“-Vorwurf entkräften. Sie sieht in ihren Texten, ihrer Kunstfigur und sich selbst keine „Männerhasserin“, sondern: „Hass aufs System“. Systemkritik vor dem zweiten Kaffee – so subversiv war das Moma schon lange nicht mehr.



