Kitkat-Club: Sexuelle Freiheit und Kritik nach Übergriffen
Kitkat-Club: Sexuelle Freiheit und Kritik nach Übergriffen

Der Kitkat-Club in Berlin-Mitte ist weltweit bekannt für seine sex-positiven Partys. Doch in den letzten Jahren geriet der Club wegen sexueller Übergriffe in die Kritik. Alexandra Bahr, langjährige Mitarbeiterin und Autorin des Buches „Radikal frei“, spricht über den Wandel der sexuellen Freiheit und die Herausforderungen des Clubs.

Der Kitkat-Club: Ein Ort der sexuellen Freiheit

Ohne Gäste wirkt der Raum wie ein bizarres Museum. Ein Metalldrache schlängelt sich von der Decke herab und spuckt auf Knopfdruck Feuer. An den Wänden leuchten neonfarbene Gemälde mit Motiven von ineinander verschlungenen Menschen und Geschlechtsteilen. Doch nachts wird dieser Raum zum Schauplatz berüchtigter Partys. Der Kitkat-Club versteht sich nicht als Sex-Club, sondern als „sex-positiven“ oder „Kinky“-Club – ein Ort für „individuelle Lebensformen“, so Bahr. Nacktheit und Sex gehören dazu, was dem Club einen weltweiten Ruf als utopischen Ort sexueller Freiheit einbrachte.

Übergriffe und veränderter Zeitgeist

Im September 2024 soll es im Club zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Ein Mann soll eine Frau in einem halbdunklen Bereich bedrängt, ungefragt geküsst und mit der Hand in sie eingedrungen sein. Die Betreiber bestätigten den Vorfall ein Jahr später. In der Folge berichteten mehrere Personen von weiteren, „kleineren“ Übergriffen. Seitdem wird diskutiert, ob sex-positive Partys in Zeiten, in denen sexuelle Übergriffe stärker wahrgenommen werden, noch möglich sind. Bahr, die seit 1998 im Kitkat ist, hat den Wandel selbst erlebt. „Der Zeitgeist hat sich auf jeden Fall verändert“, sagt sie. Sie beobachtet, dass sich junge Frauen vermehrt über masturbierende Männer beschweren. „Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen“, meint Bahr, denn Masturbation sei eine Form, Sexualität auszuleben. Dennoch hat der Club reagiert: Masturbation ist nun bei Freitagnachtpartys verboten. Bahr hält dies für keine gute Lösung, da Verbote die Frage aufwerfen, wo die Grenzen gezogen werden sollen.

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Strengere Kontrollen und Awareness-Team

Das Kitkat war bisher für seine wenigen Regeln bekannt. Die einzige Regel: Alles muss im Consent passieren. Doch die Wahrnehmung sexueller Übergriffe hat sich geändert. Betreiberin Kirsten Krüger erklärt, dass man das Awareness-Team vergrößert habe und die Gäste genauer instruiere. „Wir versuchen, daraufhin zu wirken, dass sich alle Gäste beanstandungsfrei benehmen“, so Krüger. Freya Leggemann von der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt betont, dass sex-positive Partys sichere Räume sein können, aber nur mit entsprechenden Konzepten wie Awareness-Teams und einer klaren Haltung gegenüber Geschlechterrollen. Im Kitkat ist der Konsum von Rauschmitteln nicht ausdrücklich verboten, was die Situation erschweren kann.

Bahr über die Zukunft des Clubs

Alexandra Bahr ist überzeugt, dass das Kitkat sich große Mühe gibt, Übergriffe zu vermeiden. „Natürlich sind auch immer mal Arschlöcher dabei“, sagt sie, „aber meistens kommen die gar nicht erst rein.“ Sie erkenne problematische Gäste oft schon am Outfit. Ihr Buch „Radikal frei“ und ihre Vorträge tragen die Botschaft: „Leb dein Leben, wie du dein Leben leben möchtest.“

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