Leihmütter im Schatten der Debatte: Was die Forschung sagt
Leihmütter im Schatten der Debatte: Forschung und Erfahrungen

Die Entscheidung des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, gemeinsam mit seinem Ehemann ein Kind mithilfe einer Leihmutter in den USA zu bekommen, hat eine hitzige gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Im Zentrum stehen dabei ethische Fragen, rechtliche Grauzonen und die Situation der Wunscheltern. Die Frauen jedoch, die die Kinder austragen, bleiben in der öffentlichen Diskussion oft außen vor. Dabei liefert die Forschung längst Erkenntnisse über ihre Motive, Erlebnisse und die emotionalen Folgen – und die Betroffenen selbst haben eine klare Meinung.

Was die Forschung über Leihmütter weiß

Eine der umfassendsten Studien zu dem Thema stammt von der Universität Cambridge. Die Forscherin Susan Imrie und ihr Team befragten über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 20 Leihmütter in Großbritannien, wo Leihmutterschaft unter bestimmten Bedingungen legal ist. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Die meisten Frauen entscheiden sich demnach nicht aus finanzieller Not für eine Leihmutterschaft, sondern aus altruistischen Motiven. „Viele Leihmütter berichten, dass sie die Schwangerschaft als eine Art Geschenk betrachten“, erklärt Imrie. „Sie haben bereits eigene Kinder und möchten anderen Paaren helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen.“

Motive und Zufriedenheit der Leihmütter

Die Studie ergab zudem, dass die Zufriedenheit der Leihmütter nach der Geburt in der Regel hoch ist – vorausgesetzt, die Beziehung zu den Wunscheltern war von Anfang an klar und respektvoll. Ein zentraler Faktor sei die Kommunikation. „Leihmütter, die regelmäßigen Kontakt zu den Wunscheltern hatten und deren Grenzen respektiert wurden, bewerteten die Erfahrung überwiegend positiv“, so Imrie. Allerdings gibt es auch Schattenseiten: Einige Frauen berichteten von emotionalen Schwierigkeiten nach der Übergabe des Babys. „Der Moment der Trennung kann sehr belastend sein, auch wenn die Leihmutter von Anfang an wusste, dass das Kind nicht bei ihr bleiben wird“, sagt Imrie.

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Die rechtliche Situation in Deutschland

In Deutschland ist Leihmutterschaft grundsätzlich verboten. Das Embryonenschutzgesetz untersagt die Befruchtung einer Eizelle mit dem Ziel, sie einer anderen Frau zu übertragen. Auch die Vermittlung von Leihmüttern ist strafbar. Paare wie Jens Spahn und sein Mann weichen daher ins Ausland aus – häufig in die USA, nach Kanada oder in die Ukraine. Die rechtlichen Grauzonen führen dazu, dass die Leihmütter in den Herkunftsländern oft nur unzureichend geschützt sind. Kritiker bemängeln, dass das Verbot die Probleme nicht löse, sondern die Betroffenen in unsichere Verhältnisse treibe.

Was die Betroffenen selbst sagen

Die Leihmutter „Starr“ (Name geändert) aus den USA berichtet im Gespräch mit dem SPIEGEL von ihren Erfahrungen. Sie hat bereits zweimal für Paare aus Deutschland ein Kind ausgetragen. „Ich mache das, weil ich es liebe, schwanger zu sein, und weil ich anderen helfen möchte“, sagt sie. „Die Vorstellung, dass ich ausgebeutet werde, ist falsch. Ich habe einen Vertrag, ich werde medizinisch gut betreut, und ich entscheide selbst.“ Sie betont, dass die emotionale Bindung zum Baby während der Schwangerschaft bestehe, sie aber bewusst eine Distanz aufbaue. „Ich sehe mich nicht als Mutter des Kindes, sondern als Trägerin. Das ist ein großer Unterschied.“

Die öffentliche Debatte und ihre blinden Flecken

Die Diskussion um Spahns Entscheidung zeigt, wie polarisiert das Thema ist. Während die einen von „Baby-Handel“ sprechen, betonen andere das Recht auf reproduktive Autonomie. In der hitzigen Auseinandersetzung kommen jedoch die Stimmen der Leihmütter selbst zu kurz. „Es wird viel über sie geredet, aber selten mit ihnen“, kritisiert die Soziologin Dr. Eva-Maria Schiller von der Universität Bielefeld. „Dabei sind sie diejenigen, die die körperliche und emotionale Hauptlast tragen. Ihre Perspektive ist entscheidend, um zu einer sachlichen Bewertung zu kommen.“

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Fazit: Mehr Forschung und mehr Gehör

Die Forschung zeigt, dass Leihmutterschaft für die beteiligten Frauen sehr unterschiedlich verlaufen kann – von positiven Erfahrungen bis hin zu psychischen Belastungen. Ein pauschales Urteil ist daher schwierig. Um die Situation zu verbessern, fordern Experten eine Entkriminalisierung bei gleichzeitiger strenger Regulierung. „Nur so können die Rechte der Leihmütter gestärkt und Missbrauch verhindert werden“, sagt Schiller. Bis dahin bleibt die Debatte von Vorurteilen und moralischen Wertungen geprägt – und die Frauen, um die es eigentlich geht, bleiben oft stumm.