In Friedrichshain-Kreuzberg eskalieren die Spannungen zwischen Mietern und Vermietern. Rund hundert Demonstranten versammelten sich vor ihrem Haus an der Wrangelstraße 70, nahe der Oberbaumbrücke, um gegen die Missstände zu protestieren. Ein 66-jähriger Mieter, der seit 27 Jahren in dem Gebäude wohnt und stets pünktlich zahlt, berichtete über eine unzureichende Wärmeversorgung bei Minusgraden und häufige Stromausfälle. „Ich will einfach nur behandelt werden wie ein Mensch“, sagte er. Die Veranstaltung wurde über eine altersschwache Tonanlage übertragen, die die Verzweiflung der Bewohner noch verstärkte.
Hilflosigkeit der Mieter
Die Bewohner fühlen sich wie auf einem anderen Planeten. Wenn sie bei ihrer Hausverwaltung anrufen, tun die Mitarbeiter so, als würden sie eine unverständliche Sprache sprechen. Alle Regeln scheinen außer Kraft gesetzt. In diesem Fall überwiesen die Mieter ihre Nebenkosten, doch das Geld kam bei den Strom- und Energieanbietern nie an. Die Berliner Morgenpost berichtete bereits von ähnlichen Fällen im Bezirk, bei denen seit September die Heizung nicht funktioniert. Auch in den sogenannten Horrorhäusern in der Reichenberger, Warschauer und Ritterstraße strömt Wasser von der Decke und Mieter stoßen auf Blutlachen.
Gesellschaftliche Absprachen außer Kraft
Gesellschaftliche Absprachen, die in wohlhabenderen Bezirken gelten, scheinen für diese Mieter nicht zu existieren. Eigentümer dehnen das Recht bis zur Unkenntlichkeit aus. Ein Mieter rief bei der Kundgebung: „Kafkaesk“. Eine Nachbarin erzählte, dass ihr Besuch aus Westdeutschland nach einigen Tagen fragte: „Habt Ihr hier in Berlin eigentlich kein anderes Thema als Wohnen?“ Für die Mieter in der Wrangelstraße 70 gibt es derzeit jedoch kein wichtigeres Thema.



