NS-Raubgut: So finden Sie heraus, ob Ihre Erbstücke geraubt wurden
NS-Raubgut: So recherchieren Sie jüdische Vorbesitzer

Viele Deutsche besitzen bis heute Gegenstände, die im Nationalsozialismus jüdischen Familien geraubt wurden. Ob eine Biedermeier-Kommode oder ein Silberbesteck – die Herkunft solcher Erbstücke lässt sich mithilfe von Online-Datenbanken oft zurückverfolgen. Der folgende Artikel erklärt, wie Sie bei der Recherche vorgehen können.

Was ist NS-Raubgut?

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden jüdische Bürger systematisch enteignet. Ihre Besitztücher – von Möbeln über Geschirr bis zu Kunstwerken – gelangten in den Handel oder wurden direkt von deutschen Familien erworben. Nach dem Krieg blieben viele dieser Gegenstände in privaten Haushalten, oft ohne dass die heutigen Besitzer von der belasteten Herkunft wussten.

Erste Schritte der Recherche

Um herauszufinden, ob ein Erbstück aus NS-Raubgut stammt, sollten Sie zunächst die Geschichte des Gegenstands dokumentieren. Fragen Sie ältere Familienmitglieder nach dem Erwerb. Notieren Sie sich alle Hinweise zu Vorbesitzern, Orten und Daten. Ein genaues Foto des Objekts sowie besondere Merkmale wie Gravuren oder Etiketten können ebenfalls hilfreich sein.

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Online-Datenbanken nutzen

Mehrere Datenbanken erleichtern die Suche nach jüdischen Vorbesitzern. Die zentrale Plattform „Lost Art“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste verzeichnet über 200.000 Suchmeldungen zu NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. Auch die Datenbank „ProvenienzWiki“ des Instituts für Museumsforschung bietet umfangreiche Informationen. Geben Sie dort möglichst genaue Suchbegriffe ein, wie den Gegenstandstyp, eine Epoche oder einen Ort.

„Die Online-Recherche ist der erste und wichtigste Schritt“, erklärt Dr. Anna Müller, Provenienzforscherin am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. „Viele Fälle lassen sich bereits über die digitalen Bestände klären.“

Weitere Anlaufstellen

Neben den Online-Datenbanken können Sie auch lokale Archive, Museen oder Gedenkstätten kontaktieren. Diese verfügen oft über regionale Sammlungen und können bei der Identifizierung helfen. Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) bietet zudem Unterstützung bei der Suche nach jüdischen Eigentümern.

Was tun bei einem Fund?

Wenn Sie einen Gegenstand als NS-Raubgut identifizieren, sollten Sie dies den zuständigen Stellen melden. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste nimmt Hinweise entgegen und kann die Rückgabe an die Erben der ursprünglichen Besitzer vermitteln. Eine Restitution ist nicht nur rechtlich geboten, sondern auch ein Beitrag zur historischen Aufarbeitung.

Laut Schätzungen des BADV befinden sich noch immer Hunderttausende Objekte aus NS-Raubgut in deutschem Privatbesitz. Die Provenienzforschung gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. „Jeder Fund hilft, die Lücken der Geschichte zu schließen“, betont Müller.

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