Hitzewelle in Deutschland: Rekord von 41,5 Grad, Unwetter und Verkehrschaos
Hitzewelle: Rekord von 41,5 Grad und Unwettergefahr

Neuer Hitzerekord: 41,5 Grad in Sachsen-Anhalt gemessen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Samstag, den 27. Juni 2026, einen neuen Allzeit-Hitzerekord in Deutschland verzeichnet. An der Messstation in Drewitz im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt wurden um 16:30 Uhr 41,5 Grad Celsius gemessen, wie ein DWD-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Damit wurde der erst am Freitag aufgestellte Rekord von 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach erneut übertroffen. Auch die Station Saarbrücken-Burbach zeigte mit 41,4 Grad einen neuen Höchstwert. Weitere Stationen in Andernach (Rheinland-Pfalz) und Genthin (Sachsen-Anhalt) erreichten 41,1 Grad. Die Daten sind vorläufig; eine offizielle Bestätigung steht nach dem Wochenende aus.

Bereits am Freitag war mit 41,3 Grad in Saarbrücken der bisherige Juni-Rekord und zugleich der Allzeitrekord gebrochen worden. Der vorherige Rekord lag bei 41,2 Grad, gemessen 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl (Nordrhein-Westfalen). Meteorologe Oliver Reuter vom DWD erklärte gegenüber der dpa: „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann. Nicht nur, weil der bisherige deutsche Juni-Rekord vermutlich deutlich überboten wird, sondern auch, weil es in dieser Fläche und an drei aufeinanderfolgenden Tagen noch keine Spitzenwerte von über 40 oder gar 41 Grad in Deutschland gab.“

Unwettergefahr am Sonntag: Starkregen, Hagel und Sturmböen erwartet

Der DWD warnt für Sonntag, den 28. Juni, vor landesweit auftretenden Unwettern. Besonders in der Westhälfte und im Nordosten sind schwere Gewitter mit heftigem Starkregen, schweren Sturmböen und großem Hagel möglich. In Extremfällen könnten bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. In der Nacht zum Montag werden erneut schwere Gewitter erwartet. Die Temperaturen erreichen im Osten und Südosten 39 bis 41 Grad, in der Lausitz sogar bis zu 42 Grad. In den übrigen Landesteilen werden 32 bis 38 Grad prognostiziert, an der Küste bleibt es kühler.

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Bereits am Samstag meldete der DWD um 11:45 Uhr Werte von 36,0 Grad in Faßberg (Niedersachsen) und 36,3 Grad in Röllbach (Unterfranken). Im Norden, etwa in Sankt Peter-Ording an der Nordseeküste, wurden lediglich 22,8 Grad gemessen. Die Waldbrandgefahr steigt vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf die höchste Warnstufe.

Verkehrschaos: Hitzeschäden auf Autobahnen und Schienen

Die extreme Hitze führt zu erheblichen Beeinträchtigungen im Verkehr. Auf mehreren Autobahnen kam es zu Hitzeschäden: Die A2 bei Burg (Sachsen-Anhalt) in Richtung Hannover sowie zwischen Ziesar und Wollin (Brandenburg) in Richtung Potsdam sind gesperrt. Auf der A93 bei Weiden-Süd (Bayern) in Richtung Regensburg bleibt der linke Fahrstreifen gesperrt. Auch auf der A9 bei Ingolstadt, der A10 bei Berlin-Marzahn und der A7 südlich von Hamburg gibt es Sperrungen oder Einschränkungen. Der ADAC listet die Schäden auf Basis von Informationen der Autobahn GmbH.

Die Deutsche Bahn rät von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. Grund seien Hitzeschäden an der Infrastruktur und die Unwetterwarnung. In Leipzig stellten die Verkehrsbetriebe (LVB) den Straßenbahnverkehr wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen bis Montagfrüh ein. Fugenmasse war in die Weichen gelaufen und hatte verklumpt. Busse fahren weitgehend planmäßig.

Gesundheitliche Notfälle: Hitzekollaps in Köln und Seniorenheim in Dormagen

In Köln musste die Feuerwehr am Freitag sieben Personen aus Dachgeschosswohnungen retten, die einen Hitzekollaps erlitten hatten. Ihre Körpertemperatur lag über 42 Grad. Alle wurden in Kliniken eingeliefert. Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet sagte der „Bild“: „Dabei handelte es sich nicht um ältere Menschen, sondern um Personen zwischen 40 und 60 Jahren.“ Aufgrund der vielen Einsätze wurden zusätzliche Kräfte eingeteilt.

In Dormagen (Nordrhein-Westfalen) wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen Temperaturen bis zu 35 Grad aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt. Ein Bewohner starb in der Nacht; ob die Hitze ursächlich war, ist noch unklar. Zehn Personen wurden ausgelagert, andere in kühlere Bereiche verlegt. Die Stadt richtete eine Cafeteria mit Klimageräten ein.

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Politische Reaktionen: Forderungen nach Hitzeschutzprogrammen

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte ein „Abkühl-Sofortprogramm“. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte sie: „Deutschland braucht ein Abkühl-Sofortprogramm, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen zu klimatisieren.“ Sie schlug ein Förderprogramm für „Klima-Solar-Anlagen“ vor, da die Hitze mit hoher Sonneneinstrahlung und Solarertrag einhergehe.

Patientenschützer und Ärzte übten scharfe Kritik an der Bundesregierung. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, erklärte: „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen.“ Er forderte verbindliche Investitionen und eine Begrenzung der Raumtemperatur in Neubauten auf maximal 25 Grad. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, warf der Regierung Versagen vor: „Bis heute ist de facto nichts passiert.“ Sie erinnerte an ein vor drei Jahren angekündigtes Maßnahmenpaket, das nicht umgesetzt worden sei.

Das Umweltbundesamt (UBA) forderte Hitzeaktionspläne für Städte. Präsident Dirk Messner sagte der dpa: „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken.“ Kommunen sollten Trinkwasser bereitstellen und kühle Orte ausweisen.

Wasserknappheit und Veranstaltungsabsagen

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) rief die Bürger zum Wassersparen auf. Hauptgeschäftsführer André Berghegger sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Bei dieser Hitze appelliere ich dringend an den gesunden Menschenverstand, in den kommenden Tagen bitte ganz besonders sparsam mit dem kostbaren Wasser umzugehen.“ Notfalls müssten Verbote ausgesprochen werden. In Dresden wurde ein Wasserentnahmeverbot für oberirdische Gewässer bis Oktober verhängt.

Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt: Der Hamburger Halbmarathon mit 24.000 Läufern, alle Fußballspiele des Württembergischen Fußballverbands sowie nicht-relevante Spiele des Berliner Fußballverbands. Viele Schulen gaben hitzefrei oder verkürzten den Unterricht. Der Deutsche Tierschutzbund forderte einen befristeten Stopp von Tiertransporten.

Hitzewelle und Klimawandel: Forscher sehen klaren Zusammenhang

Die Organisation World Weather Attribution betont, dass die aktuelle Hitzewelle ohne den Klimawandel nahezu ausgeschlossen wäre. Die Tageshöchst- und Nachttemperaturen wären vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“ gewesen. Eine Hitzewelle im damaligen Klima wäre rund 3,5 Grad kühler ausgefallen. Auch der ARD-Meteorologe Tim Staeger erklärte, die Luft sei zehn bis 15 Grad wärmer als im langjährigen Schnitt. „Das ist eine extreme Abweichung.“ Der Hitzehöhepunkt wird für Freitag und Samstag erwartet; der „Heat Dome“ sorgt für eine langanhaltende Hitzekuppel.

Weitere Vorfälle: AKW-Abschaltung, Badeunfall und Reh-Rettung

In der Schweiz wurde mit 38,8 Grad in Basel ein neuer Juni-Rekord gemessen. Das Atomkraftwerk Beznau fuhr beide Reaktoren herunter, da die Aare als Kühlwasser zu warm war (25 Grad). In Stuttgart wurde der Zugverkehr wegen eines Böschungsbrands eingestellt. Ein 23-jähriger Mann ertrank beim Baden im Starnberger See. In Alpen (NRW) rettete die Feuerwehr ein Reh aus einem Pool. In Bremen wurde mit 434 Teilnehmern der Poolnudel-Weltrekord geknackt.