Nur 25 Prozent der Deutschen glauben, dass der Mensch von Natur aus monogam ist. Dennoch haben sich bisher nur vier Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer an eine offene Beziehung oder Ehe gewagt. Tine S. und Alex S. gehören zu dieser Minderheit. Das Paar aus Ludwigshafen ist seit sechseinhalb Jahren zusammen und plant zu heiraten. Vor drei Jahren schlug die 32-jährige Lebenscoach Tine vor, ihre Beziehung zu öffnen. Seitdem haben sie nicht nur Sex mit anderen Menschen, sondern auch romantische Beziehungen. Im Interview erklären sie, warum dieses Modell für sie funktioniert.
Der Beginn der offenen Beziehung
„Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer monogamen Beziehung nicht vollständig ich selbst sein kann“, sagt Tine. „Die Vorstellung, dass eine Person alle meine Bedürfnisse erfüllen soll, fand ich unrealistisch.“ Alex, der zunächst skeptisch war, ließ sich auf den Vorschlag ein. „Ich hatte Angst, Tine zu verlieren, aber ich wollte auch, dass sie glücklich ist“, erklärt der 34-Jährige. Nach vielen Gesprächen einigten sie sich auf Regeln: Offene Kommunikation, Ehrlichkeit und Respekt stehen an erster Stelle.
Regeln und Grenzen
Das Paar hat klare Absprachen getroffen. „Wir sagen uns immer, wenn wir jemanden kennenlernen“, betont Alex. „Und wir nehmen uns Zeit füreinander, damit die Hauptbeziehung nicht leidet.“ Tine ergänzt: „Eifersucht ist ein Thema, aber wir sprechen offen darüber. Es ist ein Prozess, Vertrauen aufzubauen.“ Die beiden führen getrennte Kalender, um Termine mit anderen Partnern zu koordinieren, und legen Wert auf regelmäßige „Check-ins“, um ihre Gefühle zu teilen.
Herausforderungen und Vorteile
Nicht immer läuft alles glatt. „Es gab Momente, in denen ich mich vernachlässigt gefühlt habe“, gibt Alex zu. „Aber wir haben gelernt, unsere Bedürfnisse klar zu kommunizieren.“ Tine sieht vor allem die Freiheit als großen Vorteil: „Ich kann verschiedene Seiten von mir ausleben, ohne mich einschränken zu müssen.“ Studien zeigen, dass offene Beziehungen nicht zwangsläufig unglücklicher machen: Eine Umfrage ergab, dass die Beziehungszufriedenheit bei Paaren in offenen Modellen ähnlich hoch ist wie bei monogamen Paaren.
Zukunftspläne
Tine und Alex planen zu heiraten, auch wenn sie weiterhin andere Partner haben werden. „Unsere Ehe wird eine andere Form haben, aber sie wird genauso wertvoll sein“, sagt Tine. Alex nickt: „Wir lieben uns und wollen unser Leben teilen – nur eben auf unsere Art.“ Das Paar hofft, mit ihrer Offenheit Vorurteile abzubauen und anderen Mut zu machen, alternative Beziehungsmodelle zu erkunden.



