Der Pächter des Berliner Strandbads Jungfernheide, Karl-Heinz Kabisch, zeigt sich empört über die nach seiner Einschätzung „völlig unzureichende“ Bekämpfung giftiger Raupen im Volkspark Jungfernheide. Zudem kritisiert er einen Gerichtsbeschluss sowie eine seiner Aussage nach falsche Meldung zur Wiedereröffnung des Bads. Kabisch hatte einen gerichtlichen Eilantrag gestellt, um das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zu verstärkten Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner zu verpflichten. Das Verwaltungsgericht entschied jedoch am Donnerstag, dass es „keinen Anspruch auf eine vorrangige Bekämpfung im Umfeld des Freibads“ gebe.
Hintergrund des Konflikts
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Schmetterling, dessen Raupen mit giftigen Brennhaaren ausgestattet sind. Diese Haare können bei Menschen Hautausschläge, Atemwegsreizungen und schwere allergische Reaktionen auslösen. Im Volkspark Jungfernheide, in dem das Strandbad liegt, sind die Raupen in diesem Jahr besonders zahlreich aufgetreten. Laut Bezirksamt wurden bereits 442 Nester abgesaugt, doch Kabisch hält dies für unzureichend. „Die Bekämpfung ist völlig unzureichend. Wir haben hier eine massive Belastung, die eine Gefahr für die Badegäste darstellt“, sagte Kabisch dem Tagesspiegel.
Auswirkungen auf das Strandbad
Die Wiedereröffnung des Strandbads Jungfernheide verzögert sich dadurch weiter. Ursprünglich sollte das Bad bereits Anfang Juni öffnen, doch wegen der Raupenplage musste der Termin mehrfach verschoben werden. Kabisch befürchtet, dass die Saison komplett ausfallen könnte, wenn nicht schnell gehandelt wird. „Wir haben schon enorme wirtschaftliche Einbußen. Jeder Tag, an dem das Bad geschlossen bleibt, kostet uns Geld“, so der Pächter. Das Bezirksamt hingegen verweist auf die bereits ergriffenen Maßnahmen und betont, dass die Bekämpfung nach einem festgelegten Plan erfolge. Eine völlige Beseitigung der Raupen sei in einem so großen Parkgebiet nicht realistisch.
Gerichtsentscheidung und Reaktionen
Das Verwaltungsgericht Berlin wies den Eilantrag von Kabisch ab. Zur Begründung hieß es, dass das Bezirksamt seiner Pflicht zur Gefahrenabwehr nachkomme und keine zusätzlichen Maßnahmen angeordnet werden müssten. Kabisch zeigte sich enttäuscht: „Ich verstehe nicht, warum das Gericht die Dringlichkeit nicht erkennt. Die Gesundheit der Badegäste steht auf dem Spiel.“ Er erwägt nun, weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf begrüßte die Entscheidung und kündigte an, die Bekämpfung fortzusetzen. „Wir nehmen die Situation sehr ernst und arbeiten mit Hochdruck daran, die Raupenpopulation zu reduzieren“, erklärte eine Sprecherin.
Falsche Meldung zur Wiedereröffnung
Zusätzlich zu den Problemen mit den Raupen und dem Gerichtsbeschluss kritisiert Kabisch eine nach seiner Aussage falsche Meldung über die Wiedereröffnung des Bads. Einige Medien hatten berichtet, dass das Strandbad am kommenden Wochenende öffnen werde. „Das ist schlichtweg falsch. Wir können noch nicht öffnen, weil die Raupen immer noch eine Gefahr darstellen“, stellte Kabisch klar. Die Verwirrung habe zu unnötigen Anfragen und Frustration bei den Gästen geführt. Das Bezirksamt dementierte die Meldung ebenfalls und bat um Geduld.
Bekämpfungsmaßnahmen und Ausblick
Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erfolgt in Berlin durch das Absaugen der Nester mit Spezialgeräten. Diese Methode ist aufwändig und teuer, aber notwendig, um die Ausbreitung der Raupen zu kontrollieren. Im Volkspark Jungfernheide wurden bereits 442 Nester entfernt, weitere sollen folgen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass eine vollständige Beseitigung kaum möglich ist, da die Raupen auch in angrenzenden Gebieten vorkommen. Kabisch fordert daher ein koordiniertes Vorgehen aller beteiligten Behörden. „Es braucht eine gemeinsame Strategie von Bezirk, Senat und Forstverwaltung, um das Problem nachhaltig zu lösen“, sagte er. Ob das Strandbad in dieser Saison noch öffnen kann, bleibt ungewiss. Der Pächter hofft auf eine baldige Entscheidung, damit die Planung für die Gäste verlässlich wird.



