Vier Jahre voller Abwertung und Kontrolle
Paul (40) lebte vier Jahre lang in einer Beziehung, die von psychischer Gewalt geprägt war. Ständige Abwertung und Kontrolle ließen ihn immer mehr an sich selbst zweifeln. Erst nach der Trennung wurde ihm bewusst, was tatsächlich geschehen war: Er war Opfer von Manipulation und emotionalem Missbrauch.
„Ich musste mir selbst erst wieder glauben“
„Ich dachte lange, das Problem liege bei mir“, sagt Paul. Seine Partnerin habe ihn systematisch isoliert, seine Entscheidungen infrage gestellt und ihm das Gefühl gegeben, nichts richtig zu machen. „Irgendwann glaubte ich selbst, dass ich der Fehler bin.“ Psychische Gewalt gegen Männer sei ein Tabuthema, so Experten. Viele Männer schwiegen aus Scham oder Angst, nicht ernst genommen zu werden.
Warnsignale für psychische Gewalt
Typische Anzeichen sind ständige Kritik, Demütigungen, Kontrolle über Finanzen oder soziale Kontakte sowie das Infragestellen der eigenen Wahrnehmung (Gaslighting). Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums erlebt jeder vierte Mann in Deutschland mindestens einmal in seinem Leben psychische Gewalt in einer Partnerschaft. Dennoch suchten nur wenige Hilfe.
Wann aus Liebe Kontrolle wird
Anfangs erschienen die Verhaltensweisen der Partnerin oft als Fürsorge. „Sie wollte immer wissen, wo ich bin, mit wem ich mich treffe – ich dachte, das sei Liebe“, erinnert sich Paul. Doch die Kontrolle habe zugenommen, bis er keine eigenen Entscheidungen mehr treffen konnte. Psychologen betonen, dass psychische Gewalt oft schleichend beginne und von den Betroffenen lange nicht erkannt werde.
Hilfe und Auswege
Für Männer, die psychische Gewalt erleben, gibt es Beratungsstellen wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Männer“ (0800 1239900). Paul rät Betroffenen, sich frühzeitig Hilfe zu suchen: „Man muss sich selbst erst wieder glauben lernen.“ Die Gesellschaft müsse das Thema enttabuisieren, damit Männer sich öffnen könnten, ohne Stigmatisierung befürchten zu müssen.



