Das Zentrum für Safe Sport ist gegründet – ein Meilenstein im Kampf gegen sexualisierte, psychische und physische Gewalt im deutschen Sport. Doch der Geschäftsführer der Athletenvertretung „Athleten Deutschland“, Johannes Herber, zeigt sich im Interview nur bedingt zufrieden. „Wir sind zumindest in Teilen der Sportlandschaft immer noch nicht gewollt“, räumt Herber ein. Die Interessenvertretung der Spitzensportler habe maßgeblichen Anteil an der Gründung des Zentrums gehabt, stoße aber weiterhin auf Widerstand bei manchen Verbänden.
Gründung des Zentrums für Safe Sport
Das Zentrum für Safe Sport soll ab 2027 als unabhängige Anlaufstelle für betroffene Athletinnen und Athleten dienen. Es wird mit rund 2,5 Millionen Euro jährlich vom Bundesinnenministerium gefördert. Die Einrichtung war lange gefordert worden, insbesondere nach dem Missbrauchsskandal im deutschen Turnsport und weiteren Fällen in anderen Disziplinen. „Athleten Deutschland“ hatte sich intensiv für die Schaffung dieser Stelle eingesetzt. „Ohne unseren Druck wäre das Zentrum nicht gekommen“, betont Herber.
Dennoch sieht der 42-jährige Ex-Basketballprofi noch erheblichen Nachholbedarf. Viele Sportverbände hätten das Problem der Gewalt lange ignoriert oder verharmlost. „Es gibt immer noch Funktionäre, die glauben, bei ihnen sei alles in Ordnung, und die keine externe Kontrolle wollen“, kritisiert Herber. Das Zentrum sei ein erster Schritt, aber kein Allheilmittel.
Kritik an der Sportpolitik
Herber übt auch deutliche Kritik an der Struktur des deutschen Sports. Der Spitzenverband DOSB und viele Fachverbände seien zu zögerlich gewesen. „Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens und der Transparenz“, fordert er. „Athleten Deutschland“ habe immer wieder konkrete Fälle von Missbrauch und Machtmissbrauch öffentlich gemacht, sei dabei aber oft auf taube Ohren gestoßen.
Ein zentraler Punkt ist die fehlende Unabhängigkeit vieler Sportgerichte. „Athleten haben oft Angst, sich zu wehren, weil sie Repressalien fürchten“, so Herber. Das neue Zentrum soll hier Abhilfe schaffen, indem es vertrauliche Beratung und psychosoziale Unterstützung bietet. Zudem sollen Verfahren gegen Täter beschleunigt werden.
Forderungen an die Politik
„Athleten Deutschland“ fordert eine gesetzliche Verankerung des Safe-Sport-Zentrums, um seine Unabhängigkeit dauerhaft zu sichern. Bislang ist die Finanzierung nur für drei Jahre gesichert. „Das ist zu kurz gedacht“, sagt Herber. „Wir brauchen eine langfristige Perspektive, damit das Zentrum wirklich wirken kann.“ Zudem müssten die Sportverbände verpflichtet werden, mit dem Zentrum zu kooperieren.
Ein weiteres Problem sei die mangelnde Prävention. „Viele Vereine haben immer noch keine Schutzkonzepte“, kritisiert Herber. Dabei sei es wichtig, bereits bei Trainern und Funktionären anzusetzen. „Wir müssen in die Ausbildung investieren und klare Regeln für den Umgang mit Athleten aufstellen.“
Resümee und Ausblick
Trotz aller Kritik zeigt sich Herber optimistisch, dass sich die Lage im deutschen Sport verbessern wird. „Das Zentrum für Safe Sport ist ein starkes Signal, dass wir das Problem ernst nehmen.“ Allerdings dürfe man jetzt nicht nachlassen. „Der Kampf gegen Gewalt im Sport ist eine Daueraufgabe, die alle Beteiligten fordert.“



