Die liberale Muslimin Seyran Ateş, bekannt für ihren Einsatz gegen Islamismus, lebt in ständiger Furcht vor Erkanntwerden. In einem Interview mit der Bezirksreporterin Hannah Köllen schildert sie die gravierenden Einschränkungen, die ihr Engagement mit sich bringt. „Die Gefahr, dass ich erkannt werde, ist allgegenwärtig“, so Ateş. Sie meidet bestimmte Orte in Berlin, insbesondere in Neukölln, wo sie sich nicht mehr sicher fühlt. Die 62-jährige Rechtsanwältin und Autorin hat ihre Aktivitäten stark reduziert, um sich und ihre Familie zu schützen.
Eingeschränktes Privatleben und Sicherheitsvorkehrungen
Ihr Alltag ist geprägt von Sicherheitsmaßnahmen. Ateş verlässt ihr Haus nur noch zu festgelegten Zeiten und vermeidet öffentliche Veranstaltungen. „Ich kann nicht mehr einfach so in ein Café gehen oder Freunde treffen“, berichtet sie. Diese Isolation hat auch soziale Konsequenzen: Viele langjährige Bekanntschaften sind abgebrochen, weil sie Treffen absagen musste. Die Bedrohungslage ist real: Seit Jahren erhält sie Morddrohungen, und ihr Name steht auf Todeslisten von Islamisten. Laut Ateş hat die Polizei sie mehrfach vor konkreten Anschlägen gewarnt.
Der Preis des Engagements für einen liberalen Islam
Ateş setzt sich unermüdlich für einen liberalen und offenen Islam ein, der mit den Werten einer demokratischen Gesellschaft vereinbar ist. Doch dieser Kampf hat einen hohen Preis. „Ich habe viele Freiheiten aufgegeben, die andere für selbstverständlich halten“, sagt sie. Sie kritisiert, dass die Politik und die Gesellschaft zu wenig gegen den Islamismus unternehmen. „Es wird zu wenig getan, um diejenigen zu schützen, die sich gegen Extremismus stellen.“ Nach Angaben des Bundeskriminalamts gibt es in Deutschland rund 27.000 Islamisten, von denen etwa 600 als gefährlich eingestuft werden.
Neukölln als besonders gefährlicher Ort
Besonders in Neukölln, wo Ateş lange lebte, fühlt sie sich nicht mehr sicher. Der Bezirk gilt als Hochburg islamistischer Szenen. „Dort gibt es Ecken, die ich strikt meide“, erklärt sie. Die liberale Muslimin fordert mehr Zivilcourage und ein stärkeres Engagement der Zivilgesellschaft. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten unsere Nachbarschaften kontrollieren.“ Ihr Fall zeigt, wie groß die Gefahr für liberale Stimmen im Islam ist. Ateş bleibt dennoch entschlossen: „Ich werde nicht aufhören, für meine Überzeugungen einzustehen, auch wenn es mich viel kostet.“



