Silvio S.: Mutter erkannte den Kindermörder auf Fahndungsfoto
Silvio S.: Mutter erkannte den Kindermörder auf Fahndungsfoto

Die Mutter von Silvio S. erkannte ihren Sohn auf Fahndungsfotos und informierte die Polizei. Dieser Hinweis führte im Oktober 2015 zur Festnahme des damals 29-Jährigen, der die sechsjährigen Elias und den vierjährigen Mohamed entführt, sexuell missbraucht und getötet hatte. Der Fall erschütterte Deutschland und offenbarte die minutiöse Vorbereitung der Taten durch einen Einzelgänger aus dem brandenburgischen Dorf Kaltenborn.

Zwei Jungen verschwinden – der Ausnahmezustand in Potsdam und Berlin

Am 8. Juli 2015 verschwand der sechsjährige Elias beim Spielen in der Nähe seiner Wohnung im Potsdamer Stadtteil Schlaatz. Die Polizei, Angehörige und hunderte Freiwillige suchten tagelang nach dem Jungen. Straßen, Parks und Wiesen wurden durchkämmt, Suchhunde und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Trotz eines Aufrufs in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ blieb Elias zunächst verschwunden. Nur ein dunkles Fahrzeug und ein anonymer Beileidsbrief an die Mutter waren beunruhigende Spuren. Zu diesem Zeitpunkt war Elias bereits tot.

Knapp drei Monate später, am 2. Oktober 2015, verschwand der vierjährige Flüchtlingsjunge Mohamed auf dem Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Seine Mutter hatte ihn für einen Moment aus den Augen verloren. Anders als in Potsdam liefen die Ermittlungen zunächst schleppend an. Die Polizei prüfte sogar, ob die Mutter das Verschwinden inszeniert habe, um einer Abschiebung zu entgehen – ein Vorwurf, der sich später als unbegründet erwies.

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Die entscheidende Spur: Die Mutter von Silvio S. erkennt ihren Sohn

Sechs Tage nach Mohameds Verschwinden identifizierte die Polizei auf Überwachungsvideos den Jungen an der Hand eines fremden Mannes. Die Bilder wurden veröffentlicht. Über 350 Hinweise gingen ein – einer davon von der Mutter von Silvio S. Sie erkannte ihren Sohn auf dem Fahndungsfoto, stellte ihn zur Rede und verständigte dann die Ermittler. „Ich habe sofort gewusst, dass das mein Sohn ist“, sagte sie später aus.

Am 29. Oktober 2015 fuhren Beamte zur Befragung der Mutter nach Kaltenborn. Zeitgleich traf Silvio S. mit seinem Auto ein. Die überraschten Polizisten nahmen ihn fest. Er leistete keinen Widerstand und gab sofort zu, dass sich Mohameds Leiche im Kofferraum befand – in einer Wanne, bedeckt mit Katzenstreu. Wenig später gestand er auch die Tötung von Elias, dessen Leiche er in seinem Schrebergarten in Luckenwalde vergraben hatte.

Die grausamen Details der Taten

Im Prozess vor dem Landgericht Potsdam im Jahr 2016 offenbarten sich die erschütternden Einzelheiten. Silvio S. hatte die Taten minutiös vorbereitet. In seiner Wohnung fanden die Ermittler Notizzettel, auf denen er festhielt, wie er Kinder fesseln und knebeln wollte. In seinem Auto lag eine Tasche mit Gummibärchen, Plüschtieren, einer schwarzen Gesichtsmaske, Handfesseln und einer Flasche Chloroform. An Kinderpuppen soll er den sexuellen Missbrauch geübt und mit einer Nachtsichtkamera gefilmt haben.

Elias lockte Silvio S. am 8. Juli 2015 in seinen Pkw. Er verabreichte ihm ein Schlafmittel und knebelte ihn. Als sich das Kind wehrte, erwürgte er es. Mohamed lockte er mit einem Teddybär an. In seiner Wohnung in Kaltenborn kam es zum Missbrauch. Als der Vierjährige laut nach seiner Mutter schrie, tötete Silvio S. ihn aus Angst, von seinen Eltern entdeckt zu werden. Er würgte Mohamed, betäubte ihn mit chloroformgetränkten Lappen, fesselte ihn und erdrosselte ihn schließlich mit einem Gürtel.

Das Urteil: Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld

Das Landgericht Potsdam verurteilte Silvio S. am 26. Juli 2016 zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. „Sie haben zwei Kinder entführt, ihrer Freiheit beraubt, sexuell missbraucht und vorsätzlich getötet, um die vorausgegangenen Straftaten zu verdecken“, begründete der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte Sicherungsverwahrung gefordert, doch ein Gutachter erklärte Silvio S. für schuldfähig, aber nicht rückfallgefährdet. Die Kammer sprach sich daher gegen Sicherungsverwahrung aus. Revisionen und ein neuer Prozess 2019 scheiterten – die Sicherungsverwahrung wurde nicht angeordnet. Dennoch ist eine vorzeitige Haftentlassung aufgrund der festgestellten Schwere der Schuld erschwert.

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Offene Fragen: Weitere Opfer?

Bis heute ist unklar, ob Silvio S. weitere Kinder getötet hat. Er bestreitet dies seit seiner Festnahme. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung und seinem Auto jedoch DNA-Spuren von insgesamt acht Personen, die weder ihm noch Elias oder Mohamed zugeordnet werden konnten. Die Spuren stammten von Gegenständen wie einem schwarzen Gürtel, einem Kinderslip, einer Totenschädelmaske und einem Kinderkuscheltier. Auch Schnappschüsse von Kindern und Namenslisten wurden auf seinem Handy sichergestellt. Bislang wurden jedoch keine weiteren Tatzusammenhänge nachgewiesen.