Staatsbauten öffnen: Steuerzahler haben Recht auf Einblick
Staatsbauten öffnen: Steuerzahler haben Recht auf Einblick

Der enorme Andrang auf die aktuelle Ausstellung der Akademie der Künste in Schloss Bellevue hat weniger mit der Kunst zu tun als mit dem Wunsch der Besucher, die Räume der Macht selbst zu erleben. Die Menschen wollen sehen, was sie mit ihren Steuern bezahlt haben. Dieses Interesse ist legitim, denn Schloss Bellevue gehört ihnen. Der Tagesspiegel-Kolumnist Nikolaus Bernau plädiert daher für mehr Transparenz: Jeder öffentliche Bau in Deutschland sollte vor seiner Eröffnung Tage der offenen Tür anbieten.

Andrang in Schloss Bellevue: Kunst oder Neugier?

Die Ausstellung der Akademie der Künste in Schloss Bellevue ist komplett ausverkauft. Der außergewöhnlich große Andrang ist laut Bernau in erster Linie dem Interesse geschuldet, die Aura der Macht zu schnuppern und sich in Pose zu setzen, wo sonst die Mächtigen verkehren. Die Farbflächen-Gemälde Gerhard Graupners im großen Saal, die zum ikonischen Teil der bundesdeutschen Staatsrepräsentation geworden sind, wurden bereits abgehängt – ein herrlicher Selfie-Hintergrund wäre das gewesen.

Neues Präsidialamt: Keine offenen Türen geplant

Schade ist auch, dass den meisten Bürgern ein solches Aura-Erlebnis vor der Inbetriebnahme des neuen Bürogebäudes gegenüber dem Kanzleramt verwehrt bleibt. Dieses dient bis zur Fertigstellung der Bellevue-Sanierung als Amtssitz des Bundespräsidenten. Bisher sind dort keine Tage der offenen Tür geplant, nicht einmal für die Zugangszonen, den Innenhof und die Repräsentationsräume im obersten Geschoss.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ästhetik der Zurückhaltung widerlegt Populismus

Diese Räume widerlegen laut Bernau sämtliche populistischen Behauptungen, „die Politiker“ seien abgehoben und verschwendeten Steuergelder. Die bundesdeutsche Staatsrepräsentation zeichnet sich seit Adenauer und Theodor Heuss durch ästhetische Zurückhaltung aus. Spannungsreiche Raumfolgen, sorgfältige Detaillierung und geschickter Materialeinsatz prägen Bauten wie das Kanzleramt, Bundestagsbauten, Verwaltungen, Landtagsgebäude, Museen, Universitäten und Schulen. Diese können selbstbewusst vorgezeigt werden.

Appell: Jeder öffentliche Bau sollte offene Türen bieten

Bernau fordert: Jeder deutsche öffentliche Bau, vom Kindergarten bis zum Bundespräsidentensitz, sollte vor der Eröffnung zu Tagen der offenen Tür einladen. Die Steuerzahler haben ein Recht zu sehen, was für ihr Geld entstanden ist. Nur so kann die Demokratie gestärkt und dem Vorwurf der Abgehobenheit entgegengewirkt werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration