Stillen in der Öffentlichkeit: Initiative #ichstillwoichwill kämpft gegen Sexualisierung
Stillen in der Öffentlichkeit: Initiative #ichstillwoichwill

In Saarbrücken wurde einer Frau in einem Einkaufszentrum das Stillen untersagt. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes forderte sie auf, das Stillen zu unterlassen. Das Einkaufszentrum gab an, der Mitarbeiter sei nachgeschult worden und das Stillen sei dort ausdrücklich überall erlaubt. Dennoch ist dieser Vorfall kein Einzelfall. Auf Social Media berichten Mütter von ähnlichen Erlebnissen. Eine Userin berichtet, sie habe in der Garderobe der Krippe nicht stillen dürfen, weil die Väter sonst nicht wüssten, wohin sie schauen sollten.

Initiative #ichstillwoichwill enttabuisiert das Stillen

Unter dem Hashtag #ichstillwoichwill haben sich Mütter zusammengeschlossen, um das Stillen außerhalb der eigenen vier Wände zu enttabuisieren. Die Initiative entstand bereits vor dem Vorfall in Saarbrücken. Die drei Initiatorinnen aus München wollen darauf aufmerksam machen, dass Stillen in der Öffentlichkeit immer wieder mit Belästigungen, Anfeindungen oder Platzverweisen verbunden ist. Auch weil das Stillen offenbar von manchen sexualisiert wird.

„Am Ende ist auch nichts Sexuelles dran. Man ernährt sein Kind“, sagte eine Teilnehmerin der Aktion. Eine Passantin meinte: „Deutschland ist recht freizügig geworden, das muss man mal sagen.“

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Straßenumfrage: Gemischte Reaktionen

In einer Straßenumfrage äußerten sich Passanten unterschiedlich. Eine Person sagte: „Das finde ich schrecklich, weil das ist eine natürliche Sache. Warum soll man das jetzt hier verstecken oder so?“ Eine andere meinte: „Wenn man sich nicht unbedingt so präsentiert, aber es im Rahmen macht, so dass man ein Tuch drüber weg macht, ist das überhaupt kein Thema.“ Wieder eine andere: „Das ist ganz natürlich, dass eine Frau ihr Kind stillen muss.“ Und: „Die Frau zu schmeißen, das finde ich nicht gut. Kind und Mutter, das ist nun mal wichtig.“

Fotoaktionen bundesweit

Fotoaktionen wie in Hamburg gibt es momentan deutschlandweit. Der „Mom Club Hamburg“ beteiligt sich: „Von der #ichstillwoichwill-Kampagne haben wir auch über Instagram mitbekommen. Und wir als ‚Mom Club Hamburg‘ wollen auch ein Sprachrohr sein. Babys können nicht warten, wenn sie Hunger haben, und sollten auch nicht warten.“

Eine Teilnehmerin betonte: „Ich finde, es ist total wichtig, zu zeigen, dass Stillen das Natürlichste der Welt ist und dass es selbstverständlich sein sollte, dass wir das an jedem Ort tun dürfen, wo unsere Kinder gerade Hunger haben. Es ist einfach ein Grundbedürfnis von einem Baby, dass es Hunger hat und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Deswegen möchte ich ja trotzdem rausgehen können.“

Stillen auf öffentlichen Toiletten? Ein Nein

Eine andere Teilnehmerin wies darauf hin: „Auch diese Kommentare, dass man doch bitte auf Toilette gehen soll, um sein Kind zu stillen. Also, ich weiß nicht. Die meisten öffentlichen Toiletten sind ja nicht mal so, dass man sich da hinsetzen möchte. Also möchte man da erst recht nicht essen.“

Sexualisierung des Stillens: Erfahrungen von Müttern

Eine Mutter berichtete: „Einmal erlebe ich das, wenn dann von Männern, dass sie das Ganze irgendwie sexuell anziehend finden und sich sehr gerne dicht neben uns setzen, wenn wir stillen. Das sind öffentliche Plätze, das sind Parks neben dem Spielplatz. Das ist überall bisher schon mal passiert.“ Eine andere forderte: „Also, generell sollten Menschen einfach aufhören, Frauen zu sexualisieren. Also, jeder, der da irgendwie ein Problem mit hat, kann ja auch einfach weggucken.“

Die Aktion #ichstillwoichwill soll weiterhin auf die Problematik aufmerksam machen und das Stillen in der Öffentlichkeit als selbstverständlichen Vorgang etablieren.

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