Nach fast zehn Jahren Live-Abstinenz hat die Alternative-Metal-Band System of a Down am Mittwochabend das Berliner Olympiastadion in eine anarchistische Kathedrale verwandelt. Über 70.000 Menschen füllten das weite Rund bis unter das Dach, um die Band wiederzusehen, die für ihre politischen Texte und ihre energiegeladenen Auftritte bekannt ist.
Olympiastadion als perfekte Kulisse
Die historische Kulisse des Olympiastadions, das 1936 für die nationalsozialistischen Propagandaspiele errichtet wurde, bot eine ideale Bühne für die Band. Die steinerne Protz-Architektur, ein Mahnmal autoritären Größenwahns, kontrastierte scharf mit der rebellischen Energie der Band und ihrer Fans. Ein Meer aus Schwarzkitteln drückte gegen die grauen Tribünen und schuf eine fast greifbare ideologische Reibung.
System of a Down, bekannt für Hits wie „Chop Suey!“ und „Toxicity“, lieferten eine Show, die sowohl musikalisch als auch politisch keine Wünsche offenließ. Frontmann Serj Tankian, der sich immer wieder gegen Faschismus und Unterdrückung ausspricht, nutzte die Bühne für klare Ansagen. „Dieser Ort wurde erbaut, um Stärke zu demonstrieren – aber wahre Stärke liegt im Widerstand“, rief er der Menge zu, die mit tosendem Applaus reagierte.
Ein Hochamt des Antifaschismus
Die Band spielte eine Mischung aus alten Klassikern und weniger bekannten Stücken, die alle von einer tiefen politischen Botschaft durchdrungen waren. Besonders bewegend war der Moment, als Tankian das Lied „P.L.U.C.K.“ (Politically Lying, Unholy, Cowardly Killers) aus dem Jahr 1998 ankündigte, das sich gegen den Völkermord in Armenien richtet. „Dieser Kampf ist noch nicht vorbei“, sagte er mit Blick auf die aktuellen Konflikte in der Welt.
Das Konzert dauerte knapp zwei Stunden, in denen die Band keine Pause machte. Die Fans, die teilweise aus ganz Europa angereist waren, feierten jede Note und jeden Schrei. „Es ist unglaublich, sie nach so langer Zeit wieder live zu sehen. Ihre Musik ist zeitlos und ihre Botschaft wichtiger denn je“, sagte ein Fan aus München.
Fazit: Ein Abend der Rebellion
System of a Down haben im Olympiastadion nicht nur ein Konzert gegeben, sondern ein Statement gesetzt. Die Verbindung von Musik und Politik, von Geschichte und Gegenwart, machte den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Band bewies, dass sie auch nach fast zehn Jahren nichts von ihrer Wucht und Relevanz verloren hat.



