Tarifeinigung mit Signalwirkung
In den Tarifverhandlungen für den Groß- und Außenhandel hat die Gewerkschaft Verdi in Bayern einen Pilotabschluss erzielt. Wie Verdi am Freitag mitteilte, steigen die Entgelte der rund 240.000 Beschäftigten im Freistaat ab dem 1. August um 2,9 Prozent. Zum 1. Mai 2023 folgt eine weitere Erhöhung um 2,1 Prozent. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 24 Monate.
Von der Arbeitgeberseite lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die Erklärungsfrist, innerhalb derer beide Seiten das Ergebnis bestätigen müssen, läuft bis zum 4. August.
Verdi sieht Breitenwirkung
Verdi-Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck erwartet von der Einigung eine Signalwirkung für die deutschlandweiten Tarifgespräche im Groß- und Außenhandel, die insgesamt mehr als eine Million Beschäftigte betreffen. Auch für den Einzelhandel, wo derzeit ebenfalls Tarifgespräche laufen, könnte der Abschluss richtungsweisend sein.
Bernd Ohlmann vom für den Einzelhandel zuständigen Handelsverband Bayern sagte: „Natürlich verfolgen wir das sehr genau, aber jede Branche hat eigenen Kostenstrukturen. Deshalb lassen sich die Ergebnisse aus dem Groß- und Außenhandel nicht eins zu eins auf den Einzelhandel in Bayern übertragen.“
Warnstreiks als Druckmittel
Während der Tarifverhandlungen hatte es Warnstreiks gegeben. „Ohne den großen Mut und die Entschlossenheit der Streikenden wäre ein solch guter Tarifabschluss niemals möglich gewesen“, betonte Gürlebeck. Die Streikenden hätten wieder einmal bewiesen, „dass Tarifabschlüsse auf der Straße und in den Betrieben und nicht am Verhandlungstisch entschieden und erkämpft werden“.
Dass im Groß- und Außenhandel in Bayern der erste bundesweite Handels-Tarifabschluss gelungen sei, sei auch den Streikenden in anderen Bundesländern zu verdanken, sagte er: „Ohne diese kraftvolle und breite bundesweite Bewegung wäre unser heutiges Ergebnis nicht möglich gewesen.“



