Eine Kleintierärztin sorgt mit ihren Äußerungen zu DNA-Proben des toten Buckelwals „Timmy“ für Verwirrung. Auf einer Pressekonferenz in Hamburg behauptete Kirsten Tönnies, die einer Initiative zur Rettung des Wals angehört, dass zwei Gewebeproben des Buckelwals von einem nicht namentlich genannten chinesischen Labor ausgewertet worden seien. Die Abweichungen seien so groß gewesen, dass die DNA nicht von derselben Tierart stammen könne.
Widerspruch aus den eigenen Reihen
Andere Mitglieder der Initiative widersprachen dieser Vermutung umgehend. Die Tierärztin Anne Herrschaft, die ebenfalls der Initiative angehört hatte, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Auch wenn es traurig ist, es ist leider unser Wal.“ Sie habe keinen Zweifel daran, dass der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde.
Hintergrund des Wal-Dramas
Der Buckelwal war am 3. März im Hafen von Wismar gesichtet worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde der Wal am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt angespült.
Probleme mit der DNA-Analyse
Warum die DNA-Auswertung keine klare Bestätigung liefert, dass beide Proben vom selben Buckelwal stammen? Eine Probe sei dem Wal auf der Barge entnommen worden, die andere stamme vom Kadaver vor Anholt und sei von jemandem mit nach Deutschland gebracht worden. Laut Tönnies war eine der Proben in Formalin eingelegt – eine wässrige Formaldehydlösung. Solche Fixiermittel führen bei Raumtemperatur zu einem Abbau von DNA, wie eine Studie im Fachjournal „Pathology, Research and Practice“ zeigte. Geschädigte DNA kann Abgleiche stark verfälschen. Je länger das Material in Formalin liegt, desto stärker ist meist die Schädigung.
Hinzu kommt, dass die Proben Tönnies zufolge erst spät gekühlt wurden. Für einen DNA-Abgleich ist jedoch entscheidend, wie die Probe gelagert wurde: Gewebe sollte schnellstmöglich gekühlt, eingefroren oder konserviert werden. Wärme, Feuchtigkeit und Kontamination beschleunigen den Verlust an verwertbarer DNA.
Distanzierung der Geldgeber
Die Geldgeber der Initiative, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, hatten sich schon im Vorfeld von der Pressekonferenz distanziert. Allein Tönnies saß dort, niemand anderes von der Initiative oder aus dem Labor, kein Experte etwa des Meeresmuseums und niemand aus dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns. Auch mit Tierärztin Herrschaft habe sie keinen Austausch mehr, sagte Tönnies.
Der Hype um Buckelwal „Timmy“ wuchs sich zur Groteske aus. Das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater macht daraus einen sakralen Ulk.



