Bobby, ein zwölf Jahre alter Labrador, braucht in letzter Zeit länger, um aus dem Bach zu klettern. Sein Halter Georg Bakos beobachtet, dass der Hund öfter stehen bleibt, sich umschaut und wartet. Früher hatte Bobby es immer eilig, jetzt sucht er Sicherheit. Die Ursache: eine beginnende Demenz.
Diagnostiziert wurde die Demenz von Tierarzt Pasquale Piturru aus der Tierklinik Quickborn. Er stellt fest, dass Bobby verzögert reagiert und manche Menschen nicht mehr sofort erkennt. Früher bellte Bobby den Arzt an, heute bleibt er ruhig, weil er ihn nicht mehr richtig einordnen kann.
Laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigen ein Drittel der elf- bis zwölfjährigen Hunde Anzeichen einer Demenz. Bei Hunden zwischen 15 und 16 Jahren sind es sogar 70 Prozent. Neurologin Carola Leithäuser von der Tierklinik Norderstedt betont, dass Demenz nicht mit normalem Altern verwechselt werden sollte: „Es ist ein Krankheitsbild.“
Symptome einer Demenz sind Verwirrtheit, etwa wenn der Hund vergisst, warum er nach draußen wollte, oder vor der falschen Tür steht. Auch ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, grundloses Bellen oder Urinieren in der Wohnung können Anzeichen sein. Medizinisch wird die Erkrankung als Canines kognitives Dysfunktionssyndrom (CCD) bezeichnet.
Heilbar ist Demenz nicht, aber der Verlauf kann verlangsamt werden. Medikamente verbessern die Sauerstoffversorgung und Durchblutung des Gehirns. Zudem sind körperliche und geistige Auslastung wichtig. Bobby erhält derzeit Medikamente gegen Arthrose und Schilddrüsenunterfunktion, aber noch keine gegen die Demenz.
Viele Besitzer wollen das Wort Demenz nicht hören, sagt Tierarzt Piturru. Er spricht dann von „senil“, was eher akzeptiert wird. Die Zahl der Fälle nimmt zu, weil Hunde durch bessere medizinische Versorgung älter werden. Je älter der Hund, desto höher das Risiko für Demenz.



