Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer aktuellen Erhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) waren im Jahr 2024 rund 678.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als noch 556.000 Personen betroffen waren.
Hauptgründe für den Anstieg
Als Hauptursachen nennt die BAG W die anhaltende Wohnungsknappheit, steigende Mieten und die Folgen der Inflation. „Immer mehr Menschen können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten“, sagte der Vorstand der BAG W, Thomas Specht. Besonders betroffen seien Alleinerziehende, Geringverdiener und Menschen mit Migrationshintergrund. Auch die Zahl der wohnungslosen Familien stieg deutlich um 15 Prozent auf etwa 60.000.
Regionale Unterschiede
Die Wohnungslosenquote variiert stark zwischen den Bundesländern. Die höchste Rate verzeichnet Bremen mit 1,2 Prozent der Bevölkerung, gefolgt von Berlin mit 0,9 Prozent. In Bayern und Baden-Württemberg liegt die Quote dagegen bei nur 0,3 Prozent. In den Großstädten ist die Situation besonders angespannt: In Hamburg, Köln und Frankfurt am Main stieg die Zahl der Obdachlosen um jeweils über 30 Prozent.
Maßnahmen der Bundesregierung
Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) kündigte angesichts der alarmierenden Zahlen ein neues Förderprogramm an. „Wir werden den sozialen Wohnungsbau mit zusätzlichen zwei Milliarden Euro stärken und ein bundesweites Präventionsprogramm gegen Wohnungsverlust auflegen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Die Opposition fordert hingegen schärfere Maßnahmen: Die FDP verlangt steuerliche Anreize für private Vermieter, die CDU/CSU plädiert für eine Verschärfung des Mietrechts.
Forderungen der Hilfsorganisationen
Die BAG W kritisiert, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten. „Die Bundesregierung muss endlich ein Recht auf Wohnen gesetzlich verankern“, forderte Specht. Zudem sei ein bundesweites Verbot von Wohnungsräumungen im Winter nötig. Die Organisation schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Wohnungslosen noch höher liegt, da viele Menschen in verdeckter Wohnungslosigkeit wie bei Freunden oder in Notunterkünften leben.
Ausblick
Ohne ein entschlossenes Gegensteuern droht die Zahl der Wohnungslosen bis 2026 auf über 800.000 zu steigen, warnt die BAG W. Die Bundesregierung plant daher, noch in diesem Jahr einen Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit zu verabschieden. Dieser soll unter anderem den Bau von 400.000 neuen Sozialwohnungen bis 2030 vorsehen.



