Rechnungshof schlägt Alarm: Mangelhafte Kontrollen
Einem aktuellen Sonderbericht des zyprischen Rechnungshofes zufolge verfügen lediglich 168 von insgesamt 728 Beherbergungsbetrieben auf der Mittelmeerinsel über eine vollständige Betriebsgenehmigung. Das entspricht nur 23 Prozent. Weitere 158 Betriebe (22 Prozent) arbeiten mit befristeten Genehmigungen, während 402 Unterkünfte (55 Prozent) ohne vollständige Zulassung betrieben werden. Rechnungshofchef Andreas Papaconstantinou spricht von einem „besorgniserregenden Bild“. In dem am 2. Juli veröffentlichten Bericht heißt es wörtlich: „Der weitverbreitete Betrieb von nicht zugelassenen Hotels und Touristenunterkünften birgt erhöhte Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der Gäste sowie des Personals.“ Dies wirke sich negativ auf den Ruf des zyprischen Tourismus aus.
Tourismus als Wirtschaftsfaktor
Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Inselrepublik. Er erwirtschaftet etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ist die wichtigste Devisenquelle und einer der größten Arbeitgeber. Zyperns Tourismusbranche bemüht sich in den vergangenen Jahren vor allem, als Alternative zum reinen Massentourismus kaufkräftige Gäste anzulocken, um die Wertschöpfung pro Besucher zu maximieren. Doch gerade diese Klientel legt Wert auf hohe Qualitätsstandards.
Besonders prekäre Lage in Famagusta und Paphos
Besonders prekär ist die Lage im Bezirk Famagusta. Dort verfügen nur 24 von 241 Beherbergungsbetrieben über eine vollständige Genehmigung – knapp zehn Prozent. In der Urlaubsregion Paphos sind es lediglich 38 von 171 Unterkünften. In Limassol arbeiten 71 der 115 Betriebe ohne vollständige Betriebserlaubnis. Der Rechnungshof warnt, dass bei nicht genehmigten Unterkünften die Einhaltung von Bauvorschriften, Brandschutz- und Hygienestandards nicht zuverlässig gewährleistet sei.
Einsturz eines Apartmenthauses als mahnendes Beispiel
Als mahnendes Beispiel nennt der Bericht den Einsturz eines zweistöckigen Apartmenthauses in Germasogeia im April. Zwei Menschen kamen bei dem Unglück am orthodoxen Karsamstag ums Leben, darunter eine 27-jährige Touristin aus Kolumbien. Mehrere der elf Apartments waren über Plattformen wie Airbnb an Urlauber vermietet worden – ohne die erforderliche Genehmigung. Besonders brisant: Bereits einen Monat vor dem Unglück hatte die zuständige Gemeindeverwaltung die Eigentümer zweimal schriftlich aufgefordert, das einsturzgefährdete Gebäude zu räumen. Die Eigentümer ignorierten die Anweisung jedoch. Eine Kontrolle gab es nicht.
Missstände bei Kurzzeitvermietungen
Vor allem bei Kurzzeitvermietungen sieht der Rechnungshof erhebliche Missstände. Abgleiche von Online-Buchungsplattformen und den Daten der Behörden ergaben, dass Hunderte Unterkünfte nicht im offiziellen Register erfasst sind. Sie werden illegal vermietet. Die jahrelange Nachlässigkeit bei der Durchsetzung der Vorschriften habe „eine Kultur der Toleranz und Nichteinhaltung hervorgebracht“, kritisiert die Behörde.
Rechnungshof fordert härtere Sanktionen
Viele Betreiber gingen inzwischen offenbar davon aus, dass Verstöße kaum oder gar nicht sanktioniert würden. Der Rechnungshof fordert das Tourismusministerium auf, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Kontrollen deutlich zu verschärfen. Das Ministerium setzt in einer am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme andere Akzente: Es verweist stolz auf „erhebliche Fortschritte“ bei den Genehmigungsverfahren. Tatsächlich war die Lage früher noch katastrophaler: Vor drei Jahren verfügten lediglich sechs Prozent der Unterkünfte über eine vollständige Betriebsgenehmigung.
Letzte Frist bis Jahresende
Das Ministerium hat inzwischen eine letzte Frist gesetzt: Bis zum Ende dieses Jahres müssen alle Hotels und Touristenunterkünfte eine Genehmigung besitzen. Aber das Interesse der zyprischen Beherbergungsbetriebe an einer Legalisierung ist gering: Bisher hat nach Angaben des Ministeriums die Hälfte der Unternehmen nicht einmal eine Genehmigung beantragt.



